Heilpflanzen- und Kräuterkunde

Die Natur ist die größte Apotheke, die sich der Mensch nur wünschen kann. Das Wissen um die Heilkraft und die Heilwirkung von Pflanzen und Kräutern reicht tief in die Geschichte der Menschheit hinein.

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Jahrhundertelang, wenn nicht sogar jahrtausendelang, wurde dieses Wissen von Generation zu Generation weitergegeben. Durch die Hexenverfolgung im Mittelalter und zum Großteil wohl auch durch die großen Errungenschaften in der pharmazeutischen Industrie in unserer Zeit ist über die Jahre hinweg leider viel von diesem heilkundlichen Volkswissen verloren gegangen.

Erfreulicherweise vertrauen jedoch in den letzten Jahren immer mehr Menschen (auch Ärzte und Heilpraktiker) auf die uralten Heilmethoden unserer Vorfahren. Nicht für jedes Wehwehchen muss eine "Chemie-Keule" in Form von Tabletten her, die unter Umständen mehr schädliche als nützliche Wirkungen hinterlässt.

Viele Kräuter findet man auch heute noch in der freien Natur. Allerdings können sie auch in getrocknetem Zustand oder als flüssige oder pulverisierte Auszüge in der Apotheke oder speziellen Kräuterläden eingekauft werden.

Heilpflanze ist ein relativer Begriff, der nur nach der Verwendung, ungeachtet der botanischen Zugehörigkeit oder der Wuchsform, verwendet wird. Eigentlich kann jede Pflanze, für die eine entsprechende Anwendung bekannt ist, als Heilpflanze bezeichnet werden.

All Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.

- Paracelsus -

Heilpflanzen sind im ursprünglichen Sinne Drogenpflanzen. Dieser Begriff wird heute aber hauptsächlich für berauschende Drogen produzierende Pflanzen verwendet, wie etwa das schmerzstillende Opium. Auch die Unterscheidung zu Giftpflanzen liegt einerseits in der produzierten pharmazeutischen Droge, andererseits in der applizierten Dosis.

Die Ansicht, pflanzliche Mittel seien grundsätzlich harmlose und milde Präparate, ist auch aus einem anderen Grund nicht richtig: So können die oft neben anderen Medikamenten eingenommenen pflanzlichen Präparate zu schädlichen Wechselwirkungen führen. Manche Pflanzen, die ursprünglich wichtige Heilkräuter waren, werden heute zu den Genußmitteln gezählt (etwa Tee, Kaffee oder Tabak), oder als Gewürzkräuter zu den Küchenkräutern (Pfeffer, Zimt, u.v.a.).

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (www.bgvv.de) empfiehlt, Gewürze und Kräutertees, die Estragol und/oder Methyleugenol enthalten, nicht in größeren Mengen über längere Zeiträume einzunehmen. Dies gilt in besonderem Maße für Kinder und während Schwangerschaft und Stillzeit. Als Beispiele werden hier genannt: Estragon, Basilikum, Anis, Sternanis, Piment, Muskatnuss, Lemongras sowie Bitterfenchel- und Süßfenchelfrüchte.

Ackerschachtelhalm

Pflanze: Equisetum arvense L.
Familie: Equisetum-Arten Equisetaceae

Der zu den farnartigen Gewächsen gehörende Ackerschachtelhalm ist entwicklungsgeschichtlich eine sehr alte Pflanze. Die Vermehrung erfolgt durch Sporen. Dazu treibt die einjährige Pflanze im Frühjahr fruchtbare, hellbraune bis rötliche Sprosse, im Sommer unfruchtbare, grüne Sprosse mit quirlig angeordneten Seitenästen. Medizinisch verwendet werden die grünen Sprossen. Wegen seines hohen Gehaltes an Kieselsäure wurde der Ackerschachtelhalm früher zum Putzen von Zinn verwendet, daher ist die Pflanze auch als Zinnkraut bekannt. An feuchten Standorten kann der Ackerschachtelhalm leicht mit dem Sumpfschachtelhalm (Equisetum palustre) verwechselt werden, der aufgrund seines Alkaloidgehaltes als giftig gilt.

Hinweise

Nicht anwenden bei Ödemen, die auf unzureichende Herz- oder Nierentätigkeit zurückzuführen ist!

Nicht bei Kindern und Säuglingen ohne ärztlichen Rat anwenden!

Innerliche Anwendung: Bei einer Durchspülungstherapie ist auf ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit zu achten (keine alkoholischen oder coffeinhaltigen Getränke!) Ackerschachtelhalmkraut enthält Thiaminase, die den Abbau von Vitamin B1 = Thiamin bewirkt. Bei langdauernder Anwendung höherer Dosen ist die Entwicklung eines Vitamin B1-Mangels denkbar.

Äußerliche Anwendung: Keine Anwendung von Vollbädern bei größeren Hautverletzungen oder akuten unklaren Hauterkrankungen, bei schweren fieberhaften oder infektiösen Erkrankungen, ferner bei Bluthochdruck und Herzinsuffizienz!

Anwendung

Ackerschachtelhalmkraut enthält mineralische Bestandteile, wobei Kieselsäure und Kaliumsalze den mengenmäßig größten Anteil ausmachen, und Flavonoide, die urintreibend wirken sollen.

Innerlich genommen werden Zubereitungen aus dem Kraut zur Durchspültherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, bei Nierengrieß und zur Behandlung von Ödemen infolge von Verletzungen verwendet.

Äußerlich in Form von Bädern oder Umschlägen zur Förderung der Wundheilung.

Die Kieselsäure soll eine Stärkung des Bindegewebes sowie der Haare und Nägel bewirken. Zubereitungen aus dem Ackerschachtelhalm werden daher häufig auch in der Kosmetik verwendet.

Bis auf die schwach urintreibende Wirkung ist die Wirksamkeit bei den genannten Anwendungsgebieten nicht belegt.

Zubereitungen: Ackerschachtelhalmkraut ist als Tee oder Bestandteil von Teemischungen erhältlich, ferner in einigen Fertigarzneimitteln aus der Gruppe der Diuretika.

Das Kraut wird auch in der Kosmetikindustrie verwendet.

Dosierung

Tee: 2 bis 3 Teelöffel (entsprechend 2 bis 4 g getrocknetes Schachtelhalmkraut) werden mit ca. 150 ml siedendem Wasser übergossen und etwa 5 Minuten gekocht. Der Sud wird nach 15 Minuten abgeseiht. Mehrmals täglich eine Tasse frisch bereiteten Tee zwischen den Mahlzeiten trinken. Mittlere Tagesdosis: 6 g

Umschläge: Für Umschläge werden 10g Schachtelhalmkraut auf 1 l Wasser verwendet und wie bei der Teebereitung beschrieben zubereitet.

Bäder: Schachtelhalmkraut mit heißem Wasser über eine Stunde ansetzen, abgeseiht dem Bad zugeben. Die Konzentration soll ca. 2 g pro Liter Wasser betragen.

Anis

Pflanze: Pimpinella anisum L.
Familie: Doldengewächse (Apiaceae)

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Der Anis ist eine 30 bis 50 cm hochwachsende, einjährige Pflanze und besitzt einen süßlichen Geschmack und einen charakteristischen Geruch. Medizinisch verwendet werden die getrockneten Früchte, aber auch in der Lebensmittel- und Likörindustrie wird der Anis zur Aromatisierung verwendet. Da die Anisfrüchte heutzutage überwiegend aus Kulturen gewonnen werden, sind Verunreinigungen mit den ähnlich aussehenden, giftigen Schierlingsfrüchten (Conium maculatum L.) sehr selten.

Herkunft

Die Heimat der Droge vermutet man im Nahen Osten. Der Anbau findet heute vor allem in Südeuropa, der Türkei, China, Indien, Mittelasien, Mittel- und Südamerika sowie in Japan statt.

Hinweise

Nicht anwenden bei bekannter Empfindlichkeit gegenüber Anis, Anethol oder anderer Doldengewächse (Gewürz-, Beifuß-, Sellerie-, Karottenallergie)! Anis kann gelegentlich zu allergischen Reaktionen der Haut und des Magen-Darm-Traktes führen. Bei akuten Beschwerden, die über eine Woche anhalten oder immer wieder auftreten, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Das ätherische Öl nicht unverdünnt einnehmen! Auch geringe Mengen können Erbrechen, Übelkeit, Krampfanfälle und Lungenödem hervorrufen.

Nicht äußerlich anwenden! Anisöl enthält Bergapten, das in Verbindung mit Sonnenlicht zu Dermatosen führen kann. Außerdem ist die Sicherheit bei äußerlicher Anwendung unklar.

Anwendung

Das wirksame Prinzip der Anisfrüchte ist das ätherische Öl, das zu 80 bis 95% aus trans-Anethol, 2 bis 3% Estragol (Methychavicol) und etwa 1,5% Anisaldehyd besteht und für den charakteristischen Geruch und Geschmack verantwortlich ist. Ihm wird eine krampflösende, schleimlösende und hemmende Wirkung auf das Wachstum von Mikroorganismen zugeschrieben. In den Früchten sind weiterhin fettes Öl, Phenolcarbonsäuren und Flavonoide enthalten. Zubereitungen aus Anisfrüchten werden daher zur Behandlung von Krankheiten der Atemwege, krampfartigen Beschwerden des Magen-Darm-Traktes und bei Blähungen angewandt. Anisöl wird meist nicht aus Anis sondern aus Sternanis gewonnen. Reines Anisöl darf nicht unverdünnt eingenommen werden. Zubereitungen aus Anisfrüchten gelten als sicher, sofern sie in für Lebensmittel üblichen Dosierungen verwendet werden. Estragol, cis- und trans-Anethol sind in größeren Mengen möglicherweise bedenklich.

Dosierung

Tee: Ein halber Teelöffel (etwa 1.5 g) getrocknete Anisfrüchte werden kurz vor der Teebreitung zerstoßen und mit ca. 150 ml kochendem Wasser übergossen. Den Sud lässt man zugedeckt 10 bis 15 Minuten ziehen und gibt ihn durch ein Teesieb. Bei Erkrankungen der Atemwege trinkt man jeweils abends und morgens eine Tasse frisch bereiteten Tee. Bei Verdauungsbeschwerden nimmt man mehrmals täglich einen Esslöffel ein.

Zubereitungen

Anis ist Bestandteil vieler Fertigarzneimittel zur Behandlung von Atemwegserkrankungen (Hustenmittel) und Verdauungsbeschwerden. In der Lebensmittel- und Likörindustrie wird es als Geschmackkorrigens, z.B. Ouzo, Pernod, Bonbons und im Haushalt als Gewürz verwendet. Vogelsand für Käfige können Anis enthalten.

Bärlauch

Pflanze: Allium ursinum L.
Familie: Lauchgewächse (Alliaceae)

Der Bärlauch oder Waldknoblauch kommt in ganz Europa und Nordasien vor. Die Trugdolden mit den weißen, sternenförmigen Blüten sitzen auf einem 10 bis 50 cm hohen, aufrechten Stängel. Der Bärlauch ist bisher nur ungenügend wissenschaftlich untersucht, die frische Pflanze und Zwiebel werden wie der Knoblauch als Gewürz verwendet.

Herkunft

Der Bärlauch ist in Europa und Nordasien zuhause. Er wächst überwiegend in Wäldern.

Hinweise

Die Wirkungen des Bärlauchs sind denen des Knoblauch ähnlich. Beim Verzehr größerer Mengen kann es zu Reizungen des Magen-Darm-Traktes kommen. Nebenwirkungen und Risiken sind nicht bekannt.

Anwendung

Überwiegend als Gewürz. Volksmedizinisch wird der Bärlauch wie der Knoblauch gegen Arteriosklerose, Bluthochdruck und bei Magen-Darm-Störungen eingesetzt. Die Daten zur Beurteilung der Wirksamkeit sind ungenügend.

Dosierung

Die Blätter und die Zwiebel des Bärlauchs werden wie der Knoblauch als Gewürz verwendet. Für eine genaue Angabe der Dosierung sind die uns derzeit vorliegenden Daten unzureichend. Frischpflanzensäfte: gemäß Packungsbeilagen.

Baldrian

Pflanze: Valeriana officinalis L.
Familie: Baldriangewächse (Valerianaceae)

Die in formenreichen Kleinarten vorkommende Staude erreicht eine Höhe von 50 bis 150 cm. Der runde, hohle Stängel ist meist nur in der oberen Hälfte verzweigt und trägt hellrosa bis weiße, in rispigen Trugdolden angeordneten Blüten. Die Blätter sind fiederschnittig oder gefiedert. Die frischen Blüten besitzen einen angenehmen Duft, erst beim Trocknen entsteht der charakteristische Baldriangeruch. Katzen aber auch Ratten fühlen sich davon sehr angezogen. Medizinisch verwendet werden die unterirdischen Pflanzenteile.

Herkunft

Heimisch in Europa und Asien. Im nordöstlichen Amerika wird die Droge mittlerweile auch kultiviert. Die Droge stammt aus Kulturen in England, Osteuropa, Belgien und teilweise aus Deutschland.

Hinweise

Während Schwangerschaft, Stillzeit oder bei Kindern unter 12 Jahren nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt anwenden, da bisher noch keine Erfahrungen zur Unbedenklichkeit vorliegen.

Anwendung

Schlafstörungen, nervös bedingte Unruhezustände, Angst- und Spannungszustände, nervös bedingte Magenbeschwerden.

Die Baldrianwurzel enthält ätherisches Öl, Iridoide (Valepotriate und deren Abbauprodukte), Phenolcarbonsäuren (z.B. Hesperidinsäure) und in geringen Mengen Lignane in verschiedenen Zusammen-setzungen je nach Art, Alter, Herkunft und den Wachstumsbe-dingungen der Pflanze. Unbestritten sind die beruhigenden und einschlaffördernden Wirkungen, die wahrscheinlich das Ergebnis des Zusammenspiels der einzelnen Inhaltsstoffe und deren bei der Zubereitung entstehenden Abbauprodukte ist. In Studien wurde eine Verkürzung der Einschlafzeit, eine Verminderung der Häufigkeit des nächtlichen Erwachens und insbesondere eine Verbesserung der Schlafqualität beobachtet. Diskutiert werden synergistische Wirkungen auf zentralnervöse Neurotransmittersysteme sowie GABA-, Serotonin- und Adenosinrezeptoren. Die Wirkung bei nervösen Magenbeschwerden ist nicht belegt. Valepotriate und weisen aufgrund ihrer Epoxidstruktur eine hohe Reaktionsfähigkeit auf. Sie gelten daher als potentiell kanzerogen. In wässrigen oder wässrig-alkoholischen Auszügen sind diese Verbindungen jedoch praktisch nicht mehr vorhanden, so dass eine Gefährdung ausgeschlossen werden kann. Valepotriatreiche Baldrianextrakte wurden aus dem Mexikanischen (V. edulis) oder dem Indischen Baldrian (V. walichii) gewonnen und sind in Deutschland nicht mehr üblich. Dies gilt auch für Zubereitungen aus der Kessowurzel, der Wurzel aus dem Japanischen Baldrian (V. jatamansi).

Innerliche Anwendung:
Bei nervös bedingten Unruhezuständen wird Baldrianwurzel über den Tag verteilt genommen, bei Schlafstörungen eine halbe bis zwei Stunden abends vor dem Schlafengehen. Eine Beeinträchtigung der Reaktionsfähigkeit ist innerhalb der ersten Stunden nach der Einnahme möglich. Baldrianwurzel kann auch mit anderen beruhigend wirkenden Heilpflanzen, wie Hopfen, Melisse und / oder Passionsblume kombiniert werden.

Äußerliche Anwendung:
Bäder mit Baldrianwurzel oder Baldrianöl werden zur unterstützenden Behandlung nervöser Unruhezustände und Schlafstörungen verwendet. Eine Wirksamkeit ist wissenschaftlich allerdings nicht belegt.

Dosierung

Tee: 1 Teelöffel (2 - 3 g) Baldrianwurzel mit ca. 150 ml siedendem Wasser übergießen und nach 10 bis 15 Minuten abseihen. 1 - 3 mal täglich und vor dem Schlafengehen eine Tasse trinken.

Tinktur: 1 bis 3 ml ein bis mehrmals täglich.

Extrakte: Bei Einschlafstörungen 400 bis 900 mg Extrakt eine halbe bis 2 Stunden vor dem Schlafengehen.Bei Unruhezuständen 300 bis 450 mg über den Tag verteilt.

Äußere Anwendung: Aufguss von 100 g in 2 l heißem Wasser für ein Vollbad, Zubereitungen entsprechend Badetemperatur: 34 - 37 °C, Badedauer: 10 bis 20 Minuten.

Vollbad: Allgemein sollten keine Vollbäder bei größeren Hautverletzungen, unklaren akuten Hauterkrankungen, schweren fieberhaften und infektiösen Erkrankungen, Herzinsuffizienz oder Hypertonie durchgeführt werden.

Zubereitungen: Baldrianwurzelextrakte sind in vielen Präparaten alleine oder in Kombination mit anderen Stoffen enthalten. Gebräuchlich sind Dragees, Tinkturen, Tees und Pflanzenpresssäfte. Auch Badezusätze mit Baldrian sind erhältlich.

Einfluss auf Reaktionsfähigkeit

Nach einer abendlichen Einnahme von Baldrianpräparaten ist am darauffolgenden Tag nicht mit einer Beein-trächtigung der Reaktionsfähigkeit und der Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder der Bedienung von Maschinen zu rechnen. Eine Herabsetzung der Reaktionsfähigkeit ist in den ersten Stunden nach der Einnahme möglich.

Anwendungsdauer

Eine Schlafförderung tritt allmählich ein und kommt erst nach 5 bis 14 Tagen zum Tragen. Die Unbedenklichkeit einer Langzeitanwendung (über 4 Wochen) ist nicht bekannt. Nach langdauernder, hochdosierter Einnahme sollten Baldrianpräparate nicht abrupt abgesetzt, sondern zunächst allmählich die Dosis verringert werden.

Wechselwirkungen

Die Wirkung anderer Beruhigungs- oder Schlafmittel kann verstärkt oder verlängert werden. Dies gilt insbesondere im Zusammenhang mit Alkohol. Auch vor geplanten Operationen sollten Baldrianpräparate abgesetzt werden, da sie möglicherweise mit den Narkosemitteln interagieren.

Bei akuten Beschwerden, die trotz Behandlung länger als eine Woche dauern oder periodisch wiederkehren, ist eine Rücksprache mit dem Arzt empfehlenswert. Zubereitungen aus der Baldrianwurzel werden bei bestimmungsgemäßen Gebrauch in der Regel gut vertragen. Selten sind Magen-Darm-Störungen möglich.

Beifuß, Gemeiner

Pflanze: Artemisia vulgaris L.
Familie: Korbblütengewäche (Asteraceae = Compositae)

Der Beifuß ist eine Staude, deren derber, kantiger Stängel 30 cm bis über 2 m hoch austreiben kann, im Winter aber abstirbt. Die 5 bis 10 cm langen Laubblätter sind oberseits dunkelgrün und auf der Unterseite weißfilzig behaart. Die Blüten sind gelblich oder rotbraun und sind in Rispen angeordnet. Vom Gemeinen Beifuß gibt es eine europäische (Artemisia vulgaris var. vulgaris) und eine asiatische Varietät (var. indica), die sich geringfügig in der Zusammensetzung des ätherischen Öls unterscheiden. Verwendet wird Beifußkraut überwiegend als Gewürz für fetthaltige Speisen und als Zusatz bei der Akupunktur (Moxabustion).

Herkunft

Die Pflanze wächst in ganz Asien, Europa und Nordamerika. Importiert wird die Droge aus Osteuropa.

Wichtige Hinweise

Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit anwenden! Dasätherische Öl enthält Thujon, das eine stimulierende Wirkung auf den Uterus haben soll.

Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegenüber Beifuß oder anderen Korbblütengewächsen!

Wie viele Korbblütengewächse kann auch der Beifuß Allergien auslösen (z.B. Sellerie-Beifuß-Karotten-Syndrom).

Anwendung

Das Beifußkraut enthält ätherisches Öl, Sesquiterpensäuren und Sesquiterpenlactone sowie Flavonoide. Die Blütenpollen enthalten Glykoproteine, die Allergien auslösen können.

In der Volksheilkunde werden Zubereitungen aus dem Beifußkraut bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit verwendet. Die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit sind hierfür jedoch nicht belegt, so dass eine medizinische Verwendung nicht empfohlen werden kann.

Im Haushalt wird Befußkraut vor allem zum Würzen fetter Speisen (Wildgerichte, zum Auslösen von Gänse- oder Schweinefett) verwendet. Die Verwendung als Gewürz erscheint unbedenklich.

Bei der Akupunktur werden getrocknete Beifußblätter als sogenannte "Zigarren" verwendet.

Cayennepfeffer

Pflanze: Capsicum frutescens L. s.l.
Familie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Der Cayennepfeffer ist ein bis zu 1 m hoch wachsender Halbstrauch. Die Blätter sind länglich-oval, die Blüten schmutzig-weiß. Medizinisch verwendet werden die reifen, getrockneten Früchte, die kräftig orange bis rot gefärbt sind, von Capsicum frutescens L. und anderer Capsicum-Arten, die scharf schmeckende Schoten bilden. Die Früchte milder schmeckender Arten werden zur Herstellung von Paprika verwendet.

Herkunft

Die Pflanze ist in Südamerika beheimatet. Die Droge wird hauptsächlich aus Afrika importiert.

Hinweise

  • Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegenüber Paprika!
  • Capsaicinhaltige Zubereitungen können bei empfindlichen Personen Allergien auslösen.
  • Nicht anwenden bei Kindern unter 6 Jahren!
  • Nur auf unverletzte Haut auftragen!
  • Keine zusätzliche Wärmeanwendung! Nicht länger als 2 Tage anwenden.
  • Eine Wiederholung der Anwendung auf den gleichen Hautbezirken ist frühestens nach 14 Tagen möglich!
  • Die äußerliche Anwendung insbesondere hoch konzentrierter Präparate über längere Zeit kann zur Schädigung von Nerven führen.
  • Den Kontakt der Präparate mit Schleimhaut oder Augen ist zu vermeiden, nach der Anwendung sollten die Hände gründlich gewaschen werden!
  • Cayennepfeffer wirkt auch in geringen Mengen stark reizend auf Augen und Schleimhäute und erzeugen ein heftiges Brennen. Als Maßnahme wird sofortiges Spülen mit kaltem Wasser empfohlen.
  • Die innerliche Anwendung als Gewürz wird als unbedenklich erachtet. Magenempfindliche Personen und stillende Mütter sollten jedoch scharf gewürzte Speisen vermeiden.
  • Die Einnahme großer Mengen über längere Zeit kann zu Nieren- und Leberschädigungen führen.

Anwendung

Der wertbestimmende Anteil der Inhaltstoffe, sind die Capsaicinoide, darunter das Capsaicin, die für den scharfen Geschmack verantwortlich sind. Die Scharfstoffe erregen auch die Schmerz- und Wärmerezeptoren der Haut und Schleimhaut und bewirken dadurch eine gesteigerte Durchblutung. Dieser Effekt wird zur äußerlichen Behandlung schmerzhafter Muskelverspannungen im Schulter-Arm-Bereich sowie im Bereich der Wirbelsäure ausgenützt. Aufgrund der starken Reizwirkung wird die Anwendungsdauer auf 2 Tage beschränkt, eine Wiederholung auf den gleichen Hautbezirken darf frühestens nach 14 Tagen erfolgen.

Capsaicinhaltige Salben können auch bei der Behandlung von Neuralgien, z.B. wie sie nach Gürtelrose häufig auftreten, erfolgreich sein. Hierzu wird die Salbe über mehrere Tage aufgetragen, wobei nach anfänglicher Zunahme der Schmerzen eine Abnahme beobachtet wurde. Da bei einer chronischen Anwendung aber nicht ausgeschlossen werden kann, dass Nerven geschädigt werden, unterliegen diese Salben der Verschreibungspflicht und dürfen nur auf ärztliche Verordnung hin verwendet werden.

Cayennepfeffer sollte innerlich nicht zu medizinischen Zwecken eingenommen werden, die Verwendung als Gewürz erscheint jedoch unbedenklich.

Da Cayennepfeffer selbst in geringen Mengen eine sehr starke Reizwirkung auf Schleimhäute und Augen hat, wird es auch zur Herstellung von Sprays zur Selbstverteidigung verwendet.

Dosierung

Da Zubereitungen aus dem Cayennepfeffer nur zur äußerlichen Anwendung bestimmt sind, empfiehlt es sich, auf im Handel erhältliche Fertigpräparate zurückzugreifen. Ebenso können Präparate verwendet werden, die Nonivamid, das sog. synthetische Capsaicin, enthalten.

Zubereitungen:

Zubereitungen aus Cayennepfeffer oder dem synthetischen Ersatz Nonivamid sind in Form von Salben, Cremes und Pflastern im Handel erhältlich.

Dill, Gemeiner

Pflanze: Anethum graveolens L.
Familie: Doldengewächse (Apiaceae = Umbelliferae)

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Der im Aussehen dem Fenchel ähnliche Gemeine Dill ist ein beliebtes Würzkraut. Die einjährige Pflanze kann in Kulturform (ssp. graveolens) bis zu 1 m hoch werden. Typisch sind der aromatische Geruch und die feinen, fadenförmigen Blätter. Die gelben Blüten stehen in Dolden, die einen Durchmesser von bis zu 15 cm aufweisen. Die eiförmig bis runden Früchte werden bis zu 5 mm lang und sind leicht spaltbar. Die Teilfrüchte besitzen drei hell gefärbte Rippen. Die Wildform (f.l. minus = Ackerdill) ist kleiner. Bei dem in Asien angebauten Indischen Dill (ssp. sowa) ist es noch nicht klar ob es sich um eine Form des Gartendills oder um eine eigene Art handelt. Verwendet werden das Kraut, die Früchte und das daraus gewonnene ätherische ÖL (Dillöl).

Herkunft

Ursprünglich stammt der Dill aus der Mittelmeerregion, dem Orient und aus dem Süden Rußlands. Heute findet man den Dill fast überall in Europa sowie in Nord- und Südamerika.

Hinweise

Durch den Gehalt an Furanocumarinen kann bei Kontakt des frischen Pflanzensaftes mit der Haut in Verbindung mit Sonnenlicht entzündliche Hautveränderungen ausgelöst werden (Phototoxizität).

Anwendung

Das ätherische Öl des Krautes und der Früchte unterscheiden sich etwas in ihrer Zusammensetzung. Während das Öl der Früchte Carvon (s. Kümmel), Limonen und Myristicin enthält, besitzt das Öl des Krautes zusätzlich Phellandren und Dillether. Weiterhin kommen in der Pflanze Cumarine und Flavonolglykoside vor. In der Volksheilkunde werden Dillkraut und -früchte zur Behandlung dyspeptischer Beschwerden eingesetzt, die Wirksamkeit ist jedoch nicht belegt. Eine medizinische Verwendung kann daher nicht empfohlen werden. Die Verwendung als Gewürz ist jedoch unbedenklich.

Eberesche (Vogelbeere)

Pflanze: Sorbus aucuparia L.
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)

Der auch als Vogelbeere, ca. 13 m hohe Baum, ist in ganz Europa heimisch. Die gefiederten Blätter erinnern an die Esche. Verwendet werden die reifen, leuchtend roten Beeren.

Herkunft

Die Pflanze hat Ihren Ursprung in Europa, Westsibirien und Asien. Die Droge wird aus Rußland, Polen, Ungarn und der ehemaligen Tschechoslowakei importiert.

Hinweise

Die frischen Früchte enthalten örtlich reizende Parasorbinsäure. Diese wird beim Kochen oder beim Trocknungsvorgang zerstört.

Der Verzehr größerer Mengen der frischen Früchte kann zu Magenschmerzen, Erbrechen, Durchfall und Nierenschaden führen.

Anwendung

Die gerbstoffhaltigen Drogen wurden innerlich bei Durchfallerkrankungen verwendet. Sie enthalten auch Vitamin C und den Zuckeraustauschstoff Sorbit.

Die frischen Früchte enthalten die örtlich reizend wirkende, bitter schmeckende Parasorbinsäure, die nach dem Trocknen oder Kochen jedoch weitgehend zerstört wird.

Heutzutage ist die medizinische Verwendung der Vogelbeeren nicht mehr gebräuchlich, da es Alternativen gibt, deren Wirkungen besser untersucht sind.

Dosierung

Die Wirksamkeit ist nicht belegt!

Efeu

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Der Efeu ist ein immergrünes, kriechendes oder kletterndes Holzgewächs und kommt in vielen verschiedenen Formen vor. Die dunkelgrünen Laubblätter nichtblühender Zweige sind meist 3- bis 5-eckig gelappt und meist weiß geadert. Die Blätter blühender Zweige zeigen dagegen eine ganzrandige, längliche Form. Die gelblichgrünen Blüten stehen in kugeligen Halbdolden und bilden als Frucht kugelige Beeren, die unreif von rötlichvioletter, reif von schwarzer Farbe sind.

Der Saft der frischen Efeublätter können schwere Hautausschläge (allergische Kontaktdermatitis) hervorrufen, daher sollten beim Beschneiden der Pflanze Handschuhe getragen werden. Alle Pflanzenteile sind giftig!

Da der Verzehr von Beeren oder Blättern vor allem bei Kindern zu Vergiftungserscheinungen führen kann, wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit empfohlen, giftige Pflanzen nicht in Anlagen wachsen zu lassen, die Kindern leicht zugänglich sind.

Medizinisch verwendet werden alkoholische Extrakte aus getrockneten Blättern nichtblühender Zweige.

Hinweise
Schwach giftig!

Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit anwenden, da keine Ausreichenden Untersuchungen vorliegen!

Bei Beschwerden, die länger als eine Woche anhalten oder beim Auftreten von Atemnot, Fieber, eitrigem oder blutigem Auswurf sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Bei Säuglingen und Kleinkindern sollte bei starken Beschwerden oder Fieber generell ein Arzt aufgesucht werden!

Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegenüber Efeu!

Anwendung

Entzündliche Erkrankungen der Atemwege,Bronchitis, Husten.

Efeublätter enthalten als wirksames Prinzip Triterpensaponine, darunter das Hederacosid C, für das im Labor und/oder Tierversuch wachstumshemmende Wirkung auf Bakterien, Viren, Pilze, Würmer und Schnecken nachgewiesen werden konnte. Saponine wirken schleimlösend und erleichtern das Abhusten von Schleim bei Atemwegserkrankungen.
Für eine im Handel erhältliche Zubereitung mit dem Trockenextrakt konnte zudem auch eine krampflösende Wirkung auf die Bronchien, die u. a. auf Hederacosid C und dessen Spaltprodukt alpha-Hederin zurückgeführt wird.
Ferner enthalten Efeublätter Flavonoide und Kaffeesäurederivate.
Zubereitungen mit Efeublätterextrakten werden daher bei entzündlichen Bronchialerkrankungen, Husten und Infektionen der oberen und/oder unteren Atemwege vor allem bei Kindern angewandt.
Aufgrund einer antiödematösen Wirkung (Verminderung von Wassereinlagerung in Gewebe) werden Extrakte aus dem Efeu in kosmetischen Präparaten zur Behandlung von Cellulite (Orangenhaut) eingesetzt.

Äußerliche Anwendung:
Frische Efeublätter können schwere Hautausschläge verursachen. Inwieweit kosmetische Präparate allergene Substanzen enthalten, kann nicht beurteilt werden. Sollten bei der Anwendung jedoch Hautausschläge entstehen, ist das Präparat sofort abzusetzen und ein Arzt aufzusuchen.

Zubereitungen

Extrakte aus Efeublättern sind in zahlreichen Säften, Tropfen oder Zäpfchen zur Behandlung von Infektionen der Atemwege und Husten vor allem im Kindesalter im Handel.

Nebenwirkungen

Bei der Einnahme efeublätterextrakthaltiger Fertigarzneimittel gemäß Dosierungsempfehlungen sind bisher keine unerwünschte Wirkungen bekannt geworden.

Frischer Efeu - schwach giftig

Vergiftungserscheinungen durch den Verzehr frischer Blätter oder Beeren sind selten, vermutlich weil die Pflanzenteile bitter schmecken und ein brennendes Gefühl im Rachen erzeugen. Es sind kaum Daten zur Giftigkeit vorhanden. Dennoch sollte bei Verdacht der Einnahme auch geringer Mengen ein Arzt aufgesucht werden. Wenden Sie sich an den Giftnotruf!

Fenchel

Pflanze: Foeniculum vulgare Mill.
Familie: Doldengeächse (Apiaceae)

Vom Fenchel werden zwei weitere Unterarten unterschieden: der scharf schmeckende Esels- oder Pfefferfenchel (ssp. piperitum) und der Gartenfenchel (ssp. vulgare). Vom Gartenfenchel existieren weiterhin drei Varietäten, der Gemüsefenchel (var. azoricum), der Süßfenchel (var. dulce) und der Bitterfenchel (var. vulgare).

Der Fenchel ist eine ein- bis mehrjährige, z. T. bis über 2 m hoch wachsende Pflanze mit meist fleischig verdickter Grundachse. Die Stängel sind oben verästelt und treiben Blattbüschel und Blütenstängel. Die kleinen, gelben Blüten sitzen in großen Dolden.

Der Gemüsefenchel ist meist einjährig und wird nur bis zu 50 cm hoch. Die Fenchelknolle wird vom unterirdischen Teil junger, fleischig verdickter Blattsprosse gebildet. Der Süßfenchel besitzt einen weichen, röhrigen Stängel und helle Früchte.

Herkunft

Ursprünglich war der Fenchel im Mittelmeergebiet beheimatet. Allerdings findet man die Pflanze mittlerweile auch in Europa, Asien und in Teilen Südamerikas und in Afrika.

Drogenimporte kommen aus China, Rußland, Bulgarien, Ungarn und Ägypten.

Hinweise

Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegenüber Fenchel! Selten sind allergische Reaktionen auf Fenchel bekannt geworden. Personen mit Sellerieallergie können ebenfalls auf Fenchel reagieren.

Fenchelöl nicht bei Säuglingen oder Kleinkindern anwenden!
Reines Fenchelöl kann auch bei Säuglingen und Kleinkindern akute Atemnot und Erregungszustände hervorrufen. Die Anwendung von Tee, Fenchelhonig oder Präparaten mit ähnlich niedrigem Gehalt an ätherischen Öl ist jedoch unbedenklich.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, Gewürze und Kräutertees, die Estragol und/oder Methyleugenol enthalten, nicht in größeren Mengen über längere Zeiträume einzunehmen. Dies gilt in besonderem Maße für Kinder und während Schwangerschaft und Stillzeit. Als Beispiele werden hier genannt: Estragon, Basilikum, Anis, Sternanis, Piment, Muskatnuss, Lemongras sowie Bitterfenchel- und Süßfenchelfrüchte.

Inhaltstoffe

Das im ätherischen Öl des Bitterfenchels zu 50 - 70 % vorkommende trans-Anethol ist für den süßlichen, anisartigen Geschmack des Fenchels verantwortlich. Ihm wird auch die sekretolytische und spasmolytische Wirkung zugeschrieben. Das bitter schmeckende und campherartig riechende Fenchon gibt dem Fenchel die typische Note. Fenchon wirkt wachstumshemmend auf Bakterien und Pilze. In höherer Dosierung wirkt es zentral erregend, daher dürfen Fenchelzubereitungen mit hohem Fenchelgehalt (Fenchelöle) nicht Kleinkindern und Säuglingen verabreicht werden.

Das zum Anethol isomere Estragol (Methylchavicol) ist toxikologisch nicht unbedenklich, nach dem Arzneibuch geprüfte Drogen dürfen max. 5% dieser Substanz im Ölanteil aufweisen. Vor allem nach längerer Lagerung können aus dem Anethol die Dimere Dianethol und Dianisoin entstehen, die östrogenartig wirken.

Weitere Bestandteile der Fenchelfrüchte: Terpene, Coumarine, Flavonoide, fettes Öl und Antioxidantien.

Anwendung

Medizinisch verwendete Sorten stammen ausschließlich aus Kulturen, da Wildsorten sich meist durch einen hohen Estragolgehalt auszeichnen.

Je nach Erntemethode werden beim Bitterfenchel zwei verschiedene Qualitäten unterschieden. Die "Kammware" zeichnet sich durch eine hohe Homogenität aus, da die Früchte jeweils zum optimalen Reifezeitpunkt mittels Spezialwerkzeugen ("Kämme") geerntet werden. Weniger aufwendig ist die Erntemethode des "Srohfenchels". Hier werden die Pflanzen nach dem Mähen in Bündeln nachgetrocknet und anschließen gedroschen.

Die Früchte des Bitterfenchels enthalten ein ätherisches Öl, das zu etwa 70% aus Anethol und 15% Fenchon, das für den bitteren Geschmack verantwortlich ist, besteht. Der Gehalt an Estragol (Methylchavicol) darf max. 5% betragen, da eine krebserzeugende Wirkung der Substanz nicht ausgeschlossen werden kann. Ferner sind in den Früchten fettes Öl, Phenolcarbonsäuren, Cumarine, Flavonoide und antioxidativ wirkende Verbindungen enthalten.

Das ätherische Öl wirkt schleimlösend und Auswurf fördernd auf die Atemwege und hemmt ein bakterielles Keimwachstum. An den Verdauungsorganen wirkt es krampflösend und blähungstreibend.
Daher werden Fencheltee und Fenchelhonig nicht nur wegen des angenehmen Geschmacks vor allem in der Kinderheilkunde zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden, Blähungen und Atemwegserkrankungen angewandt. Fenchelhonig wird aus Zusatz von Fenchelextrakten zu Honig hergestellt, es gibt aber auch Qualitäten, die nur einen Zusatz von Fenchelöl verwenden. Reines Fenchelöl sollte bei Säuglingen und Kleinkindern nicht angewendet werden!

Fenchelfrüchte sind auch Bestandteil von Milchbildungstees, die die Milchbildung stillender Mütter fördern soll.

Dosierung

Tee: 1 - 2 Teelöffel Fenchelfrüchte (etwa 2 bis 5 g) werden zerquetscht, mit ca. 150 ml siedendem Wasser übergossen und der Aufguss 10 bis 15 Minuten zugedeckt stehen gelassen. 2 bis 3 mal täglich eine frisch zubereitete Tasse Tee warm zwischen den Mahlzeiten trinken. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann der Teeaufguss auch zum Verdünnen von Milch oder Breinahrung gegeben werden.

Zubereitungen: Fenchelfrüchte sind häufig Bestandteil von Mitteln gegen Husten, Magen- und Darmmitteln (Karminativa, Abführmittel) und in Milchbildungstees enthalten. Zur Behandlung entzündlicher Erkrankungen der Atemwege wird bei Kindern gerne Fenchelhonig eingesetzt. Auch gibt es viele Husten- und Halsbonbons mit Fenchel. Das ätherische Öl verflüchtigt sich rasch in Teemischungen oder Filterbeuteln, wenn die Fenchelfrüchte bereits zerkleinert vorliegen. Man sollte daher entweder die Ganzdroge kurz vor der Zubereitung in einem Mörser anstoßen oder auf lösliche Instanttees zurückgreifen, denen das Öl mikroverkapselt zugesetzt wurde.

Frauenmantel

Pflanze: Alchemilla vulgaris auct. non L.
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Die überall auf der nördlichen Erdhalbkugel vorkommende, 30 bis 50 cm hohe Staude, besitzt kleine, unscheinbare, gelbgrüne Blüten. Der Name Alchemilla soll darauf zurückgehen, dass im Mittelalter der sich in den kelchartigen Blätter gesammelte Tau von Alchemisten zur Bereitung des Steins der Weisen verwendet wurde. Die volksmedizinisch behaupteten günstigen Wirkungen des Krautes bei Frauenleiden ist wissenschaftlich nicht belegt. Medizinisch verwendet werden die zur Blütezeit gesammelten oberirdischen Pflanzenteile.

Herkunft

Die Pflanze ist in Europa, Asien und Nordamerika beheimatet. Der Drogenimport erfolgt über Ungarn, Polen, Bulgarien und Tschechien.

Hinweise

Durchfälle, die länger als 2 Tage andauern oder mit Blutbeimengungen oder Fieber einhergehen, bedürfen der Behandlung durch den Arzt.

Durchfälle im Säuglings- oder Kleinkindalter bedürfen immer einer sofortigen ärztlichen Behandlung!

Bei bestimmungsgemäßer Anwendung sind keine Risiken oder Nebenwirkungen bekannt.

Anwendung

Das Frauenmantelkraut enthält Gerbstoffe und Flavonoide und wird innerlich genommen gegen leichte, unspezifische Durchfallerkrankungen eingesetzt. Die Anwendung bei Frauenleiden ist wissenschaftlich nicht begründet.

Dosierung

Tee: 2 Teelöffel (ca. 2 g) Frauenmantelkraut werden mit 150 ml siedendem Wasser übergossen und nach 10 bis 15 Minuten abgeseiht. 3 bis 5 mal täglich eine Tasse Tee trinken.

Frauenmantel kann auch als Zusatz zu Spülungen genommen werden.

Frauenmantelkraut findet sich als getrocknetes Kraut oder in einigen fertigen Teemischungen im Handel.

Gänsefingerkraut

Pflanze: Potentilla anserina L.
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)

Das Gänsefingerkraut ist eine niedrige, kriechende Pflanze mit gefiederten, dunkelgrünen Blättern, die auf der Unterseite silbrig behaart sind. Im Sommer bildet sie an langen Stielen goldgelbe Blüten. Medizinisch verwendet werden die zur Blütezeit gesammelten und getrockneten oberirdischen Pflanzenteile.

Herkunft

Die Droge findet man in den meist kälteren Regionen der nördlichen Welt-Halbkugel.

Hinweise

Bei Durchfällen, die länger als 3 Tage anhalten oder mit stärkeren Beschwerden einhergehen, ist ein Arzt aufzusuchen.

Durchfallerkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern sollten generell vom Kinderarzt behandelt werden!

Beschwerden bei Reizmagen können verstärkt werden.

Anwendung

Das Gänsefingerkraut ist reich an Gerbstoffen und enthält Flavonoide und Cumarine. Aufgrund des Gerbstoffgehaltes ist die Wirksamkeit bei leichten Durchfallerkrankungen (innerliche Anwendung) und leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut (Anwendung als Gurgelmittel) plausibel. Für die dem Gänsefingerkraut nachgesagte krampflösende Wirkung bei leichten, krampfartigen Beschwerden während der Regelblutung (Dysmenorrhoe) liegen keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse vor.

Dosierung

Tee: 1 Teelöffel getrocknetes Gänsefingerkraut (etwa 2 g) werden mit ca. 150 ml siedendem Wasser übergossen und nach 10 Minuten abgeseiht. Bei leichten Durchfallerkrankungen drei mal täglich eine Tasse frisch bereiteten Tee zwischen den Mahlzeiten trinken oder bei Entzündungen des Mund- und Rachenraums den abgekühlten Tee zum Gurgeln verwenden.

Zubereitungen: Gänsefingerkraut ist Bestandteil einiger Präparate zur Behandlung der Dysmenorrhoe (Störungen der Regelblutung) enthalten.

Gartenbohne

GIFTPFLANZE!
Pflanze: Phaseolus vulgaris L.
Familie: Schmetterlingsblütler (Fabaceae)

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Die Gartenbohne ist eine vielerorts kultivierte Gemüsepflanze. Sie kann in einer niedrig wachsenden, buschigen (Buschbohne) oder in einer kletternden Form, die dann eine Höhe bis 4 m erreicht (Stangenbohne), vorkommen. Die Schmetterlingsblüten können weiß, gelblich oder violett gefärbt sein. Die dreizähligen Blätter sind gestielt. Die Bohnensamen sowie die Schoten enthalten eine giftige Eiweißverbindung (Phasin), die durch Kochen zerstört wird. Daher sollten Bohnen niemals roh gegessen werden. Medizinisch verwendet werden die von den Samen befreiten Hülsen (Schoten).

Herkunft

Die Gartenbohne stammt aus Amerika.

Hinweise

Nicht anwenden bei Ödemen infolge von Herz- oder Nierenerkrankungen!

Rohe Bohnen enthalten wie auch viele andere Hülsenfrüchte die giftige Eiweißverbindung Phasin, die durch Kochen zerstört wird. Eine Vergiftung kann eine schwere Entzündung der Magen- und Darmschleimhaut zur Folge haben. Daher sollten Bohnen niemals roh verzehrt werden!

Diabetiker sollten Zubereitungen aus Bohnenhülsen nicht ohne ärztlichen Rat anwenden. Bohnenhülsen können den Blutzuckerspiegel senken. Daher ist eine Kontrolle der Blutzuckerspiegel und ggf. eine Neueinstellung erforderlich.

Anwendung

Bohnen sind aufgrund ihres hohen Gehaltes an Eiweiß ein wertvolles Nahrungsmittel. Roh genossen, können jedoch bereits wenige Samen zu schweren Vergiftungserscheinungen führen, da das enthaltene Phasin die Magen- und Darmschleimhaut zu schädigen vermag.

Bohnenhülsen enthalten Aminosäuren, Hemicellulosen, Mineralstoffe und andere Substanzen, die harntreibend und blutzuckersenkend wirken sollen. Zubereitungen aus den Bohnenhülsen werden daher zur unterstützenden Behandlung von Harnwegserkrankungen und zur Durchspülungstherapie verwendet. Die blutzuckersenkende Wirkung beruht möglicherweise auf den Gehalt an Chromsalzen. Chrom ist ein essentielles Spurenelement, das der Organismus zur Bildung des Glukosetoleranzfaktors benötigt. Diabetiker weisen häufig einen Chrommangel auf. Da insgesamt jedoch kaum Untersuchungen vorliegen, kann die Verwendung von Bohnenhülsen als "Diabetikertee" nicht empfohlen werden.

Dosierung

Tee: Ein Esslöffel (etwa 5 g) getrocknete, samenfreie Böhnenhülsen werden mit ca. 150 ml Wasser kurz aufgekocht und nach 15 Minuten abgeseiht. 2 bis 3 mal täglich eine Tasse frisch bereiteten Tee zwischen den Mahlzeiten trinken.

Zubereitungen: Bohnenhülsen sind Bestandteil einiger Arzneimittel oder Teemischungen zur Behandlung von Erkrankungen der ableitenden Harnwege im Handel.

Ginkgo

Pflanze: Ginkgo biloba L.
Familie: Ginkgoaceae

Der 30 m bis 40 m hoch wachsende Ginkgobaum ist ein sommergrüner Laubbaum. Er gehört entwicklungsgeschichtlich zu den ältesten Pflanzenarten der Erde und stellt das Bindeglied zwischen Farnen und Nadelhölzern dar. Die Blätter färben sich im Herbst goldgelb. Der ursprünglich in China, Korea und Japan beheimatete Baum wird zunehmend auch in Europa angepflanzt, da er gegen schädliche Umwelteinflüsse sehr resistent zu sein scheint. Der Ginkgo ist zweihäusig, d. h. es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Der Name biloba = zweilappig weist auf die typische Blätterform hin. Medizinisch verwendet werden Spezialextrakte aus den Blättern, in der Traditionellen Chinesischen Medizin auch die Samenkerne.

Herkunft

Ursprünglich stammt der Ginkgobaum aus China und Japan. Seit ca. 1730 wurde Ginkgo in Europa auch als Parkbaum angepflanzt. Hauptexportländer sind Frankreich, China, Japan und Korea.

Hinweise

Sehr selten kann es kann es zu Unverträglichkeitsreaktionen im Verdauungstrakt, wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und/oder Durchfällen kommen. Sehr selten wurden Kopfschmerzen oder allergische Hautreaktionen beobachtet.

Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegenüber Ginkgo!

Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit oder bei Kindern unter 12 Jahren anwenden!
Da keine Daten bei Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit vorliegen, sollte Ginkgo nicht in Schwangerschaft und Stillzeit angewandt werden.

Nicht ohne ärztlichen Rat anwenden bei Personen, die Arzneimittel einnehmen, die die Blutgerinnung hemmen! (z. B. Acetylsalicylsäure, Marcumar, Clopidogrel, Pentoxifyllin). Da auch Ginkgo die Blutgerinnung hemmen konnte, ist besondere Vorsicht für die Personen angebracht, die gerinnungshemmende Mittel einnehmen müssen. Dies sollte nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt geschehen. Es ist auch empfehlenswert, vorsichtshalber Ginkgopräparate mindestens eine Woche vor geplanten Operationen abzusetzen und den Arzt zu informieren.

Anwendung

Extrakte aus Ginkgoblättern für: Hirnlesitungsstörungen, Ohrensausen (Tinnitus), Schwindel, Höhenkrankheit.

In klinischen Studien wurden bisher nur für Ginkgoextrakte, die aus den Blättern mit einem Aceton-Wasser-Gemisch (DEV 35-67:1) gewonnen werden, ein positiver Effekt nachgewiesen. Diese Extrakte werden eingestellt auf etwa 25% Flavonoidglykoside (Flavonole und Biflavone) und etwa 6% Terpenlactone (Ginkgolide A,B,C und Bilobalid), wobei der Gehalt an Ginkgolsäuren, die stark hautreizend wirken und zu Magenunverträglichkeiten führen können, unter 5 ppm liegen soll.

Experimentell nachgewiesen wurden folgende Wirkungen:

  • Steigerung der Toleranz insbesondere des Hirngewebes gegenüber Sauerstoffmangel
  • Förderung der Gehirndurchblutung
  • Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes
  • PAF-Hemmung (Plättchenaggregationsfaktoren)
  • Beeinflussung zentraler Neurotransmitter
  • Inaktivierung schädlicher Radikale

Zubereitungen aus diesen Extrakten werden zur symptomatischen Behandlung von hirnorganisch bedingten Leistungsstörungen (dementiellen Syndromen) mit den Leitsymptomen Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, depressive Verstimmung, Schwindel, Ohrensausen und Kopfschmerzen im Rahmen eines Therapiekonzeptes eingesetzt. Weiterhin werden sie zur unterstützenden Behandlung von peripheren arteriellen Durchblutungsstörungen, bei Schwindel und Ohrgeräusche verwendet.

Bevor mit einer Behandlung begonnen wird, sollte ärztlich abgeklärt werden, ob die Störungen nicht einer spezifisch zu behandelnden Grunderkrankung zuzuordnen sind.

Derzeit laufen auch Untersuchungen, die eine Wirksamkeit zur Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit gesunder, jüngerer Menschen, bei dem prämenstruellen Syndrom (PMS), bei altersbedingte Degeneration der Macula, bei der Höhenkrankheit, die Verbesserung der Ansprechrate einer Chemotherapie des Pankreaskarzinoms sowie eine günstige Beeinflussung diabetischer Folgekrankheiten prüfen sollen. Die ersten Ergebnisse sind jedoch noch zu vorläufig, um daraus eine Therapieempfehlung ableiten zu können.

Ginkgonüsse (= Samenkern der Ginkgofrüchte): Die gerösteten Samenkerne, wobei zuvor die fleischige Außenschicht der Früchte entfernt wurde, werden vor allem in Ostasien als Delikatesse, in der Traditionellen Chinesischen Medizin auch als Heilmittel, geschätzt. Die Außenschicht der Früchte enthält stark hautreizend wirkende Ginkgolsäuren und Ginkgole sowie 4'-Methoxypyridoxin, das zu Vergiftungserscheinungen führen kann.

Anwendungsdauer: Bei Hirnleistungsstörungen ist eine Behandlung von min. 8 Wochen erforderlich. Nach einer Behandlungsdauer von 3 Monaten sollte überprüft werden, ob die Therapie noch weitergeführt werden soll. Eine Besserung arterieller Durchblutungsstörungen ist frühestens nach 6 Wochen zu erwarten (Verlängerung der Gehstrecke). Bei Durchblutungsstörungen des Innenohres, z.B. Schwindel, Tinnitus, bringt eine Behandlung von mehr als 6 bis 8 Wochen keine Vorteile.

Dosierung

Zur Verwendung kommen nur Extrakte aus den Ginkgoblättern, die nach speziellen Herstellungsverfahren hergestellt werden, wobei eine Anreicherung der Inhaltsstoffe, die für das wirksame Prinzip angesehen werden erfolgt und Substanzen, die Nebenwirkungen auslösen können, entfernt werden.

Zur Behandlung hirnorganischer Leistungsstörungen: 120 bis 240 mg Trockenextrakt täglich aufgeteilt auf 2 oder 3 Einzeldosen.

Zur Behandlung arterieller Durchblutungsstörungen oder Durchblutungsstörungen des Innenohrs: 120 bis 160 mg Trockenextrakt täglich aufgeteilt auf 2 oder 3 Einzeldosen.

Zubereitungen: Ginkgo biloba Extrakte sind in Tropfen, Dragees und Filmtabletten enthalten, die allgemein zur Steigerung der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit und gegen altersbedingte Beschwerden (Geriatrika) helfen sollen. Positive Effekte sind bisher nur für Präparate bewiesen, die einen Extrakt enthalten, der mit Aceton-Wasser-Gemischen nach einem speziellen Verfahren hergestellt wurde. Für die Verwendung als Tee oder für andere Zubereitungen sind zur Beurteilung der Wirksamkeit und Unbedenklichkeit keine Informationen vorhanden.
Ginkgo findet sich auch als Bestandteil verschiedener Haarshampoos und anderer Kosmetika.

Anwendungsdauer: Die Behandlung von Hirnleistungsstörungen und arteriellenDurchblutungsstörungen sollte min. 6 bis 8 Wochen betragen. Bei der Behandlung von Durchblutungsstörungen des Innenohrs dagegen bringt eine Anwendungsdauer über 6 bis 8 Wochen hinaus keine Vorteile.

Ingwer

Zingiber officinale Rosc.
Familie: Ingwergewächse (Zingiberaceae)

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Der Ingwer ist eine Staude mit einem ausdauernden, kriechenden, sich weit verzweigendem Wurzelstock aus dem sich einjährige, über einen Meter hohe Triebe bilden. Die länglichen, glänzenden und hellgrünen Blätter werden über 20 cm lang. Die Pflanze blüht selten und wird in der Regel vegetativ vermehrt. Der Wurzelstock spielt schon seit dem Altertum in der Chinesischen und Indischen Medizin eine wichtige Rolle und wird auch vor allem in der asiatischen Küche als Gewürz geschätzt.

Herkunft

Der Ingwer stammt ursprünglich aus Südostasien. Kultiviert wird die Pflanze in China, Indien, der Karibik und in den USA.

Hinweise

Nicht bei Kindern unter 6 Jahren anwenden.

Während Schwangerschaft und Stillzeit nur auf ärztlichen Rat hin anwenden !Zur Beurteilung der Sicherheit liegen nur unzureichende Daten vor, daher ist eine strenge Indikationsstellung erforderlich.

Bei Gallensteinleiden nur nach Rücksprache mit dem Arzt anwenden! Ingwer regt den Gallenfluss an und kann daher zu einer Verschlimmerung der Beschwerden führen.

Wechselwirkungen: Es ist nicht auszuschließen, dass Ingwer, insbesondere wenn er über längere Zeit oder in höherer Dosierung verwendet wird, einen Einfluss auf Blutgerinnung und Blutdruck hat und blutzuckersenkend wirken kann. Daher sollten Diabetiker, Patienten, die blutgerinnungs-hemmende Arzneimittel einnehmen müssen und Bluthochdruckkranke vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen. Vor geplanten Operationen sollten Ingwerpräparate sicherheitshalber abgesetzt werden.

Anwendung

Je nach Herkunft kommt Ingwerwurzel in unterschiedlicher Qualität in den Handel, wobei die Ware aus Jamaica (Arzneibuchware), Bengalen oder Australien am hochwertigsten sind. Eine Besonderheit stellt eine Sorte aus Japan, der Kintoki, dar, der ein etwas abweichendes Spektrum an Inhaltsstoffen aufweist.

Der Ingwerwurzelstock enthält einen zähflüssigen Balsam (Oleoresin), der aus ätherischen Ölen und einem Scharfstoffanteil, den Gingerolen und Shoagolen besteht. Zubereitungen aus dem Ingwerwurzelstock wirken antiemetisch, entzündungshemmend, anregend auf die Magensaft-, Speichel- und Gallebildung und steigernd auf die Darmfunktion. Die antiemetische Wirkung scheint durch eine direkte Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt vermittelt zu werden. Diskutiert wird auch ein Antagonismus von Serotonin Typ 3 Rezeptoren. Ingwer wird daher zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden, Blähungen und zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen vor allem bei der Reise- oder Seekrankheit, verwendet. Zur Beurteilung der Sicherheit bei einer Anwendung zur Vorbeugung des Schwangerschafterbrechens liegt noch nicht ausreichend Material vor.

Verschiedentlich wird über eine günstige Wirkung bei Magengeschwüren, Kopfschmerzen und rheumatischen Gelenkbeschwerden berichtet. Diese Angaben sind aber bisher nur unzureichend untersucht.

Ingwer wird häufig in der Getränke- (Ginger Ale, Ingwerbier) und Lebensmittelindustrie verwendet. Er dient pur oder in Mischungen (Curry, Cutneys, Marmeladen, Soßen) als Gewürz. Als grünen Ingwer bezeichnet man die jung geernteten, milder schmeckenden Rhizome. In heißen Ländern ist Ingwer auch als Zusatz in Kaffee oder Tee wegen seiner anregenden Wirkung auf die Schweißbildung beliebt.

Dosierung

Tee: 0.5 bis 1 g getrockneten, zerkleinerten Ingwerwurzelstock mit ca. 150 ml siedendem Wasser übergießen und nach 5 Minuten abweihen. Zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden eine halbe Stunde vor der Mahlzeit trinken.

Zur Vorbeugung der Reisekrankheit werden 0.5 g gepulverter Ingwerwurzelstock mit etwas Flüssigkeit eingenommen. Bei Bedarf kann diese Dosis alle vier Stunden wiederholt werden.

Tagesdosis: 2 bis 4 g

Zubereitungen: Ingwer ist als Monopräparat erhältlich und Bestandteil einiger Kombinationsarzneimitteln zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen.

Johanniskraut

Pflanze: Hypericum perforatum L.
Familie: Johanniskrautgewächse (Hypericaceae = Clusiaceae = Guttiferae)

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Johanniskraut ist eine ausdauernde, aufrechte, im oberen Teil ästig verzweigte Pflanze mit 20 bis 100 cm hoch wachsendem Stängel. Im Unterschied zu anderen Hypericum-Arten besitzen die Stängel des Johanniskraut zwei Längskanten und im durchscheinenden Licht vielfach perforiert erscheinende Blätter. Die goldgelben, unsymmetrischen Blüten fallen durch ihre zahlreichen, langen Staubblätter auf und bilden traubig zusammengesetzte Trugdolden. Beim Zerreiben der frischen Blüten, tritt ein dunkelroter Farbstoff aus. Medizinisch verwendet wird das aus den frischen Blüten gewonnene Johannisöl und die kurz vor der Blüte geernteten und getrockneten Zweigspitzen (Kraut).

Hinweise

Nicht anwenden bei bekannter Lichtüberempfindlichkeit! Da Johanniskraut die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen kann, sollten insbesondere hellhäutige Personen während der Einnahme auf Sonnenbäder (auch in Solarien!) verzichten. Nicht anwenden bei Verdacht auf schwere Depression! Johannispräparate sind hier nicht wirksam, es ist unbedingt baldmöglichst eine Behandlung durch einen Arzt erforderlich. Nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt während Schwangerschaft oder Stillzeit anwenden! Es gibt keine Untersuchungen, die die Unbedenklichkeit belegen.

Nicht bei Kindern anwenden!
Die Behandlung depressiver Erkrankungen im Kindesalter gehört unbedingt in die Hände eines Spezialisten.
Nicht anwenden, wenn gleichzeitig Medikamente eingenommen werden, deren Wirkung durch Johanniskraut beeinflusst werden kann!
Dazu gehören Ciclosporin, Tacrolimus, Arzneimittel gegen HIV (AIDS) wie z.B. Indinavir, Zytostatika wie z.B. Irinotecan und andere Antidepressiva.

Anwendung

Johanniskraut: Leichte bis mittelschwere Depressionen, psychovegetative Störungen, Angststörungen, nervös bedingte Unruhezustände.

Johannisöl: Verbrennungen, Verletzungen, Dermatitis, Innerlich: Verdauungsbeschwerden.

Dosierung

Tee: 2 Teelöffel Johanniskraut mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, nach 10 Minuten abseihen. Regelmäßig 1 bis 2 Tassen morgens und abends frisch bereiteten Tee trinken. Anmerkung: Die Teezubereitung enthält vermutlich die Wirkstoffe nicht in ausreichender Menge. Fertigpräparaten mit standardisierten Extrakten sind vorzuziehen.

Fertigarzneimittel: Die Schwellendosis für eine antidepressive Wirkung wird auf 300 mg Extrakt täglich geschätzt, empfohlen werden 500 bis 1000 mg Extrakt täglich.

Äußerlich: Salben 1 bis 2 mal täglich.

Anwendungsdauer

Wie bei anderen Antidepressiva tritt die stimmungsaufhellende Wirkung erst allmählich ein und es ist eine Behandlung über einen längeren Zeitraum erforderlich. Bemerkt man jedoch nach 2 bis 4 Wochen keine Verbesserung der Beschwerden, so ist unbedingt ein Arzt zu Rate zu ziehen.

Johanniskraut beeinflusst vor allem die Begleitsymptome einer Depression wie Schlafstörungen, Nervosität usw. positiv und wirkt stimmungsaufhellend, ohne jedoch selbst müde zu machen. Die Wirkung tritt allerdings erst allmählich ein. Bemerkt man nach einer Anwendung von zwei bis vier Wochen keine Besserung, sollte unbedingt ein Arzt zur weiteren Abklärung der Beschwerden aufgesucht werden.

Wechselwirkungen

Johanniskrautextrakte können die Wirkung anderer Arzneimittel beeinflussen! Johanniskraut enthält Flavon- und Flavonolverbindungen, z.B. Hyperosid, Xanthone, Naphthodianthrone, wie Hypericin und Pseudohypericin, Phloroglucine mit Hyperforin, ätherisches Öl und Catechingerbstoffe. Der Gehalt an einzelnen Inhaltsstoffen ist stark abhängig vom Entwicklungsstand der Pflanze und der Lichtexposition. So ist z.B. der Gehalt an Hypericin in Blüten und Knospen am höchsten, der Gehalt an Hyperforin dagegen in den reifen Früchten. Das durch Ausziehen der Blüten mit fetten Ölen (Oliven-, Sonnenblumen- oder Weizenkeimöl) gewonnene Johannisöl (Rotöl) wird traditionell äußerlich zur Behandlung von Wunden, leichten Verbrennungen. Hautentzündungen und stumpfen Verletzungen verwendet. Innerlich genommen soll es bei Verdauungsbeschwerden helfen. Die Wirksamkeit ist jedoch nicht belegt. Für die leuchtend rubinrote Farbe werden Ölhypericine, die sich bei der Herstellung in Gegenwart von Licht und Wasser bilden, verantwortlich gemacht. Zubereitungen aus dem Johanniskraut werden vielfach bei depressiver Verstimmung und damit in Zusammenhang auftretender nervöser Unruhe und Schlafstörungen angewandt. Die Wirksamkeit von hochdosierten Extrakten wurde in wissenschaftlichen Untersuchungen nachgewiesen und zeigten im Vergleich zu herkömmlichen Antidepressiva eine weitaus bessere Verträglichkeit. Bei schweren Depressionen ist Johanniskraut allerdings unwirksam. Das genaue Wirkprinzip ist noch unbekannt, vermutlich sind mehrere Bestandteile des Extraktes an der stimmungsaufhellenden Wirkung beteiligt. Daher sind nur Präparate, die den Gesamtextrakt enthalten zu empfehlen. Ein Einfluss auf die Nervenbotenstoffe Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, GABA und Glutamat sowie eine modulierende Wirkung auf bestimmte Rezeptoren im Gehirn werden vermutet. Die früher für Hypericin postulierte Hemmung der Monoaminoxidase konnte zumindest im üblichen Dosisbereich nicht bestätigt werden. Für Extrakte konnte im Laborversuch auch eine entzündungshemmende (Flavonoide), antivirale (Hypericine) und antibiotische Wirkung auf grampositive Bakterien (Hyperforin) gezeigt werden ohne daraus jedoch direkte therapeutische Empfehlungen ableiten zu können.

Neuere Untersuchungen ergaben den Hinweis, dass hochdosierte Johanniskrautextrakte die Wirkung anderer Arzneimittel abschwächen können (z.B. Mittel, die die Blutgerinnung beeinflussen, Ciclosporin, Tacrolismus, Digoxin, Aidsmittel, Zytostatika, Amitriptylin, Nortriptylin, Midexolam, Theophyllin). Diese Wechselwirkungen können u.U. ernsthafte Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Johanniskraut sollte nicht zusätzlich zu anderen Antidepressiva eingenommen werden, da deren Wirksamkeit (aber auch deren Nebenwirkungen) verstärkt werden kann.
Daher sollten Personen, die bereits andere Medikamente einnehmen, vor der Anwendung entsprechender Johanniskrautpräparate ihren Arzt oder Apotheker zu Rate ziehen. Ebenso sollten Patienten, die Johanniskrautpräparate einnehmen, ihren Arzt über diese Medikation informieren, wenn sie andere Arzneimittel verordnet bekommen. Johanniskraut kann die Aktivität körpereigener, arzneimittelabbauender Enzyme (Cytochrom P450, z.B. CYP3A4) erhöhen und die Wirksamkeit von Medikamenten, die über diese Enzyme verstoffwechselt werden, abschwächen. So kann z.B. nicht ausgeschlossen werden, dass Johanniskrautpräparate die Wirkung oraler Kontrazeptiva (Anti-Baby-Pille) beeinträchtigen und es zu Zwischenblutungen und sogar zu einer ungewollten Schwangerschaft kommen könnte. Weiterhin kommt es durch Johanniskraut zu einer Induktion des Transporterproteins P-Glycoprotein (MDR-1), das bestimmte Medikamente, wie z.B. Digoxin aus der Zelle ausschleusst und somit zu einer erniedrigten Bioverfügbarkeit beiträgt. Bei gleichzeitiger Einnahme von Arzneimittel die ebenfalls serotonerge Wirkungen entfalten wie z.B. Triptane oder SSRIs kann ein Serotoninsyndrom auftreten.

Nebenwirkungen

Johanniskrautpräparate werden im Allgemeinen sehr gut vertragen. Selten können Magen-Darmbeschwerden, allergische Hautreaktionen, Müdigkeit oder Unruhe auftreten.

Kaffee

Pflanze: Coffea arabica L.
Familie: Rötegewächse (Rubiaceae)

Der Arabica-Kaffee ist ursprünglich in Äthiopien beheimatet und wird im tropischen und subtropischen Raum in vielen Varietäten kultiviert. Die Pflanze ist ein bis zu 8 m hoch wachsender, reichlich beblätterter Baum. Die weißen, wohlriechenden Blüten sitzen dichte Knäuel bildend in den Blattachseln. Die Frucht ist eine Steinfrucht und in reifem Zustand meist rot gefärbt (Kaffeekirsche). Zur Gewinnung der Kaffeebohnen werden zwei Verfahren angewandt. Das trockene Verfahren liefert den sog. "Robusta-Kaffee", das nasse mit anschließender Fermentation die "milden" Kaffeesorten. Die so gewonnenen, geschälten Samen (grüner Kaffee) werden geröstet, dadurch erhält der Aufguss dann ein kaffeetypisches Aroma und Farbe. Medizinisch verwendet wird die Kaffeekohle, die durch stärkeres Rösten der trockenen Bohnen bis zur Verkohlung der äußeren Samenpartien und anschließender Vermahlung gewonnen wird.

Herkunft

Der Kaffee stammt ursprünglich aus Äthiopien wird aber mittlerweile in fast allen tropischen Ländern kultiviert.

Hinweise

Während Schwangerschaft und Stillzeit nur mit Vorsicht anwenden! Vor allem im letzten Drittel der Schwangerschaft wird Coffein nur langsam abgebaut so dass es bei Mutter und Kind zu unerwünschten Wirkungen kommen kann. Coffein gelangt durch Plazenta bzw. Muttermilch zum Kind. Feten oder Neugeborene reagieren sehr empfindlich, da sie die Substanz nur ungenügend abbauen können, so kann z. B. bereits ein beschleunigter Herzschlag festgestellt werden obwohl die Mutter noch keine Effekte spürt.

Nicht über längere Zeit oder in höherer Dosierung anwenden !
Die regelmäßige Einnahme über längere Zeit führt zu Gewöhnung und der Neigung, größere Mengen konsumieren zu müssen. Ein plötzliches Absetzen kann dann zu Entzugserscheinungen führen.

Besondere Vorsicht ist geboten bei Personen mit Leber- oder Nierenkrankungen, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Magen- oder Darmgeschwüren oder Schilddrüsenüberfunktion! Unerwünschte Wirkungen wie Schlaflosigkeit, innere Unruhe, Kopfschmerzen, Zittern, Krämpfe, Blutdruckerhöhung, Herzrasen, Magen-Darmbeschwerden, Sodbrennen sind Zeichen einer Überdosierung bzw. Unverträglichkeit.

Auf eine ausreichende Zufuhr coffein- und alkoholfreier Flüssigkeiten achten! Coffein wie auch Alkohol entziehen dem Körper mehr Wasser als ihm durch diese Getränke zugeführt wird und können daher insbesondere bei körperlicher Belastung oder hohen Außentemperaturen zur Dehydratation führen.

Anwendung

Kaffeekohle: Kaffeekohle enthält weniger Coffein jedoch noch etwa 75 % des entsprechenden Kaffees und wird wegen seiner absorbierenden und adstringierenden Eigenschaften zur Behandlung leichter, unspezifischer Durchfälle verwendet. Eine lokale Anwendung in der Mundhöhle soll bei leichten Entzündungen im Mund- und Rachenbereich helfen.

Kaffee: Kaffee ist eines der beliebtesten Genussmittel und wird vor allem wegen seiner anregenden Wirkung geschätzt. Diese lässt sich auf den Inhaltsstoff Coffein zurückführen, der vor allem anregend auf das Zentralnervensystem wirkt, aber auch Wasserausscheidung, Magensaftsekretion und Lipolyse steigert. Die Blutgefässe im Gehirn werden verengt, was bei der Behandlung von Migräne hilfreich sein soll. Die Wirkung auf den Blutdruck hängt in starkem Maße von der Gewöhnung ab. Während Abstinenzler mit einem Blutdruckanstieg reagieren, bleibt der Blutdruck gewohnheitsmäßiger Kaffeetrinker unbeeinflusst. Über mögliche Gefahren oder aber auch günstige Wirkungen von Kaffeegenuss gibt es viele, z. T. sich widersprechende Veröffentlichungen. Eines scheint jedoch gewiss zu sein, die Erhöhung der Blutfettwerte, die bei finnländische Kaffeetrinkern beobachtet wurde, hängt mit der Art der Kaffeezubereitung zusammen. Diesen Kaffeeölen zugeschriebene, ungünstige Wirkung lässt sich vermeiden, indem man gefilterten Kaffee trinkt. Je nach Zubereitungsart und Sorte enthält eine Tasse 80 mg bis 180 mg Coffein. Coffeinarmen Kaffee wird das Coffein vor dem Rösten entzogen. Eine Tasse enthält dann nur noch 4 mg Coffein.

Dosierung

Kaffeekohle: Die Einzelgabe beträgt 3 g gepulverte Kaffeekohle bis zu drei mal täglich.

Kaffee: 10 g gemahlene Kaffeebohnen pro Tasse werden mit kochendem Wasser bzw. Dampf extrahiert. Filterkaffee erhält man durch Verwendung eines Papierfilters, bei "gekochtem" Kaffee wird der Überstand abgegossen, Espresso wird durch Auszug mit Dampf unter hohem Druck gewonnen.

Maximale Tagesdosis: entsprechend 400 mg Coffein.

Zubereitungen: Homöopathische Arzneimittel. Kaffeekohle ist in einigen Fertigarzneimitteln zur Behandlung von Durchfallerkrankungen im Handel.

Wechselwirkungen:

Coffein wird teilweise Schmerzmitteln zugesetzt, da es zu der schmerzstillenden Eigenschaft einiger Analgetika beitragen kann. Die hierbei zugeführte Coffeinmenge sollte beim Konsum coffeinhaltiger Getränke berücksichtigt werden. Coffein wird in der Leber abgebaut, dadurch können die Wirkungen anderer Arzneimittel verändert werden bzw. die Ausscheidungsgeschwindigkeit des Coffeins beeinflusst werden. Fragen Sie hierzu Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie Medikamente einnehmen.

Kümmel

Pflanze: Carum carvum L.
Familie: Doldengewächse (Apiaceae = Umbelliferae)

Die zwei- bis dreijährige, 30 cm bis 100 cm große Pflanze, wächst auf mageren Wiesen und an Wegrändern. Typisch sind der aromatische Duft und der Kümmelgeschmack. Im ersten Jahr bildet die Pflanze eine Blattrosette, erst im zweiten Jahr treiben die Blütenstängel mit zwei- bis dreifach fein gefiederten Laubblättern. Die kleinen weißen, selten rosa oder gelblich gefärbten Blüten stehen in zusammengesetzten Dolden. Medizinisch verwendet werden die Kümmelfrüchte und das daraus gewonnene ätherische Öl. Nicht verwechselt werden sollte der Kümmel mit dem Kreuzkümmel (Cuminum cyminum L.) oder dem Schwarzkümmel (Nigella sativa L.).

Herkunft

Die Heimat des Kümmels ist Asien. Mittlerweile wird die Droge auch in Europa, Sibirien, dem Kaukasus, dem Himalaja, der Mongolei und in Marokko angebaut. Importiert wird die Droge vor allem aus Ostdeutschland, Polen, Ägypten und Holland.

Hinweise

Nicht über längere Zeit oder in höherer Dosierung einnehmen! Die Einnahme höherer Dosen insbesondere von Kümmelöl kann zu Leber- und Nierenschäden führen.

Zubereitungen aus Kümmelfrüchten nicht ohne ärztlichen Rat während Schwangerschaft und Stillzeit anwenden! Die Verwendung als Gewürz oder in lebensmittelüblicher Dosierung erscheint jedoch unbedenklich.

Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegenüber Kümmel oder anderen Apiaceen (z. B. Sellerie, Mohrrüben, Petersilie, Anis, Kreuzkümmel, Koriander) oder Asteraceen (Sellerie- Beifuß-Gewürzsyndrom).

Bei akuten Beschwerden, die über eine Woche andauern oder periodisch immer wiederkehren, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Anwendung

Aufgrund seiner blähungstreibenden, verdauungsfördernden Wirkung wird Kümmel als Gewürz schwer verdaulichen Speisen (z. B. Kohlgerichten) zugesetzt, aber auch zur Branntwein- und Likörherstellung genutzt.

Kümmelfrüchte sind reich an ätherischem Öl, das zu einem Großteil aus Carvon und Limonen besteht. Ferner sind fettes Öl, Polysaccharide und Eiweiß enthalten. Für Carvon ist eine wachstumshemmende Wirkung auf Bakterien und Pilze beschrieben. Durch Carvon und Limonen soll die Bildung entgiftender Enzyme in der Leber gefördert werden. Das ätherische Öl wirkt krampflösend und blähungstreibend. Kümmelfrüchte eignen sich daher gut zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden, Blähungen und Völlegefühl.

Die jungen frischen Blätter können wie Petersilie, die Kümmelwurzel als Wurzelgemüse für Suppen in der Küche verwendet werden. Das ätherische Öl der Blätter besitzt als Hauptkomponente überwiegend Sesquiterpene (z. B. Caryophyllen), das der Wurzel aliphatische Aldehyde.

In der Volksheilkunde werden Kümmelfrüchte auch zur Behandlung von Menstruationsbeschwerden und als Zusatz zu sog. Milchbildungstees zur Förderung der Milchbildung stillender Mütter empfohlen. Eine Wirksamkeit ist jedoch nicht belegt.

Dosierung

Tee: Ein halber Teelöffel (etwa 1,5 bis 2 g) getrocknete Kümmelfrüchte werden zerquetscht, mit ca. 150 ml siedendem Wasser übergossen, zugedeckt und nach 10 bis 15 Minuten abgeseiht. 2 bis 3 Tassen warmen, frisch bereiteten Tee zwischen den Mahlzeiten trinken. (Ätherische Öle sind wasserdampfflüchtig, daher muss der Tee frisch bereitet und beim Ziehen zugedeckt werden!)

Zubereitungen: Tagesdosis entsprechend 1,5 g bis 6 g Droge. Kümmel ist häufig Bestandteil meist mit anderen ätherische Öle enthaltenden Pflanzen (z. B. Anis, Pfefferminze, Fenchel, Koriander) von Magen- und Darmmitteln. Gebräuchlich ist auch die Verwendung als Gewürz. Kümmel ist häufig Bestandteil sog. "Milchbildungstees".

Kümmelöl: Einzeldosis: 1 bis 2 Tropfen auf Zucker einnehmen, Tagesdosis: 3 bis 6 Tropfen. Kümmelöl wird auch wegen der antimikrobiellen Wirkung Mundwässern zugesetzt.

Lavendel, Echter

Pflanze: Lavandula angustifolia Mill. syn. L. officinalis Chaix.
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Der Echte Lavendel ist ein bis zu 60 cm hoch wachsender, winterharter Halbstrauch mit stark verzweigten Ästen und aufrechten Zweigen. Die Blätter besitzen eine schmal-lanzettliche Form, wobei die unteren weiß-filzig behaart, die oberen grau-grün erscheinen. Die violetten Blüten sitzen am Ende von 10 bis 15 cm langen, behaarten Stielen in ährenähnlichen Schein-quirlen. Die im Mittelmeerraum beheimatete Pflanze wächst nur in höheren Lagen. In tieferen Gebieten kommt es zur Hybridisierung des Echten Lavendels mit L. latifolia Medik., dem Großen Speik zu Lavandula × intermedia Emeric. ex Loisel., dem Lavandin. Medizinisch verwendet werden die kurz vor dem Aufblühen geernteten Blüten samt Blütenkelche und das daraus gewonnene ätherische Öl.

Herkunft

Der Lavendel ist im Mittelmeer-Raum beheimatet. Die Droge wird aus Frankreich, Spanien und Südosteuropa importiert.

Hinweise

Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegenüber Lavendel!Das ätherische Öl der Lavendelblüten kann in seltenen Fällen Allergien auslösen. Nicht in höherer Dosierung anwenden ! Lavendelöl kann zu Schläfrigkeit führen und möglicherweise die Fähigkeit zum Führen von Kraftfahrzeugen oder zum Bedienen von Maschinen herabsetzen.

Anwendung

Echte Lavendelblüten enthalten ein ätherisches Öl mit einem hohen Anteil an Linalool und Linalylacetat, ferner eines geringen Anteil an 1,8-Cineol und Campher. Spiköl, das ätherische Öl aus dem Großen Speik enthält dagegen sehr wenig Linalylacetat, zeichnet sich aber durch einen hohen Gehalt an Cineol und Campher aus. Das Lavandinöl aus der Hybride Lavandin besitzt neben einen hohen Linalool- und Linalylacetatgehalt ebenfalls größere Mengen an Campher und Cineol. Ferner enthalten die Blüten Lamiaceengerbstoffe und Phenolcarbonsäuren.

Innerlich eingenommen werden Zubereitungen aus Echten Lavendelblüten oder Lavendelöl bei nervös bedingten Unruhezuständen und Einschlafstörungen empfohlen. Vor allem Linalool und Linalylacetat wird eine beruhigende Wirkung zugesprochen, Linalool besitzt zusätzlich eine hemmende Wirkung auf das Wachstum einiger Bakterien und Pilze. Die Droge wird auch zur Behandlung funktioneller Oberbauch-beschwerden und nervösem Reizmagen, beim Roemheld-Syndrom, ein durch Blähungen im Oberbauch gekennzeichneter Symptomenkomplex, der sich auch in Herz-Kreislaufbeschwerden äußern kann, eingesetzt. Eine Kombination mit anderen sedativ und blähungstreibend wirkenden Pflanzen kann sinnvoll sein.

Spiköl wird wegen des hohen Cineolgehaltes zur Behandlung von Atemwegserkrankungen wie z.B. Bronchitiden verwendet. Eine große Rolle spielt das Echte Lavendelöl in der Aromatherapie, Spiköl und Lavandinöl werden dagegen vor allem in der Kosmetik- und Parfümindustrie eingesetzt. Kräuterkissen mit Lavendelblüten sollen bei Einschlafstörungen helfen. Äußerlich als Bad angewandt eigenen sich Lavendel-blüten zur Therapie nervös bedingter Kreislauf-beschwerden. Einreibemittel mit Lavendelblüten sollen bei rheumatischen Beschwerden schmerzstillend wirken. Die Wirksamkeit bei diesen Anwendungs-gebieten ist jedoch nicht eindeutig belegt.

Lavendelblüten oder -blätter werden vor allem in der mediterranen Küche als Gewürz von süßen und salzigen Speisen eingesetzt und sind z.B. Bestandteil der Kräuter der Provence. Lavendelkissen zwischen die Wäsche gelegt sollen vor Mottenfraß schützen.

Dosierung

Tee: 1 bis 2 Teelöffel Lavendelblüten werden mit ca. 150 ml heißem Wasser übergossen und nach 10 Minuten abgeseiht. Mehrmals täglich, besonders am Abend vor dem Schlafengehen eine Tasse frisch bereiteten Tee trinken.

Lavendelöl: 1 bis 4 Tropfen (entsprechend 20 bis 80 mg) als Einzeldosis z.B. auf einem Stück Würfelzucker einnehmen.

Badtherapie: 20g bis 100g Lavendelblüten werden mit 2 l Wasser kurz aufgekocht, nach 10 Minuten gibt man das abgeseihte Konzentrat in 20 l Wasser.

Zubereitungen: Lavendelblüten sind Bestandteil sog. Nerven- und Schlaftees aber auch von Fertigarzneimitteln zur Behandlung nervöser Schlaf-, Magen- und Darm-störungen und äußerlich anzuwendender Präparate bei rheumatischen Erkrankungen. Ferner sind Fertigpräparate zur Herstellung von Bädern erhältlich. Lavendelöl findet auch Verwendung in der Aromatherapie.

Liebstöckel

Pflanze: Levisticum officinale Koch
Familie: Doldengewächse (Apiaceae = Umbelliferae)

Der Liebstöckel ist eine bis zu 2 m hoch wachsende, ausdauernde Staude mit sellerieähnlichen Geruch. Der Stängel ist aufrecht, röhrig, am Grunde bis etwa 4 cm dick und trägt oberhalb aufrecht abstehende Seitentriebe. Die großen, dunkelgrünen Blätter sind 2- bis 3-fach fiedrig zerschnitten. Die kleinen, blassgelben Blüten stehen in deutlichen Doppeldolden. Während die Wurzel medizinisch und in der Likörindustrie Verwendung findet, sind Früchte und Kraut eher als Gewürz üblich. Der Hautkontakt mit der frischen Pflanze kann in Verbindung mit Sonnenlicht zu einem Ausschlag führen.

Herkunft

Die Pflanze stammt ursprünglich aus Asien, dem Orient und Westeuropa. Mitllerweile ist sie auch in Europa und Nordamerika anzutreffen. Hauptexportländer der Droge sind Holland, Polen und Thüringen.

Hinweise

Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit anwenden! Die Verwendung als Gewürz erscheint jedoch unbedenklich.

Nicht anwenden bei Ödemen aufgrund eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit oder bei Erkrankungen der Niere! Diese Erkrankungen bedürfen der Behandlung durch den Arzt.

Bei Erkrankungen, die länger als mehrere Tage andauern oder immer wieder kehren, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Bei längerer Anwendung sollte auf intensive Sonnenbäder und UV-Bestrahlung verzichtet werden! Die in der Pflanze enthaltenen Furanocoumarine können in Verbindung mit Sonnenlicht Entzündungen der Haut hervorrufen. Diese Reaktionen sind bei äußerlicher Anwendung bekannt, theoretisch kann auch eine längere innerliche Anwendung zu solchen Dermatosen führen.

Während einer Durchspülungstherapie ist auf ausreichende (2 bis 3 l täglich) Flüssigkeitszufuhr zu achten, wobei coffeinhaltige oder alkoholische Getränke nicht als Flüssigkeit gerechnet werden können, da diese dem Körper Wasser entziehen.

Anwendung

Vor allem die Wurzel ist reich an ätherischem Öl, dessen Zusammensetzung sich je nach Reife und Alter der Pflanze unterscheidet. Das Öl enthält als charakteristische Geruchskomponente Alkylphthalide, darunter Ligustilid, für das eine krampflösende, beruhigende und wassertreibende Wirkung beschrieben ist. Die Liebstöckelwurzel wird daher zur Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und zur Vorbeugung von Nierengrieß angewandt. Volkstümlich wird Liebstöckel als Gewürz und zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden, wie Blähungen, Völlegefühl und Aufstoßen, verwendet. Obwohl für diese Wirkungen keine Untersuchungen vorhanden sind, so sind sie aufgrund des schwach bitteren Geschmacks plausibel. Die Liebstöckelwurz wird in der Lebensmittelindustrie zur Herstellung und Aromatisierung von Gewürzextrakten, Likören und Magenbittern eingesetzt.

Dosierung

Tee: ½ bis 1 Teelöffel (etwa 1.5 bis 3 g) fein zerkleinerte, getrocknete Liebstöckelwurzel werden mit ca. 150 ml siedendem Wasser übergossen und nach 10 bis 15 Minuten abgeseiht. Mehrmals täglich zwischen den Mahlzeiten eine Tasse frisch bereiteten Tee trinken.

Tagesdosis: 4 bis 8 g Droge.

Zubereitungen: Die Liebstöckelwurzel ist Bestandteil einiger Teemischungen oder von Fertigarzneimitteln aus der Gruppe der Urologika.

Meerrettich

Pflanze: Armoracia rusticana G.M.Sch. syn. A. lapathifolia Gilib.
Familie: Kreuzblütengewächse (Brassicaceae = Cruciferae)

Die 40 cm bis 1,5 m hohe Staude kommt in Europa wild vor, wird aber vor allem zur Ge-winnung des als Gewürz beliebten Tafelmeerrettichs in den gemäßigten Breiten angebaut. Die ausdauernde Pflanze bildet einen bis mehrere kantige, gefurchte Stängel, die sich im oberen Teil ästig verzweigen. Die kleinen, wohlriechenden, weißen Blüten sitzen in aus zahlreichen Trauben zusammengesetzten Blütenständen. Die fleischige, scharf und reizend schmeckende Wurzel wird im Herbst und Frühjahr geerntet und getrocknet oder frisch als Gewürz oder zu medizinischen Zwecken verwendet. Aus Japan bekannt ist der sehr scharf schmeckende Wasabi (Japanischer Meerrettich, A. Eutrema wasabi), dessen apfelgrüne Rhizome ähnlich zum Würzen verwendet werden.

Herkunft

Der "Kren" stammt ursprünglich aus dem Wolga-Gebiet. Mittlerweile wird die Pflanze weltweit angebaut.

Hinweise

Nicht anwenden bei Magen- oder Darmge-schwüren, entzündlichen Darmerkrankungen und bei akuten oder chronischen Entzündungen der Nieren! Keine Anwendung bei Kindern unter vier Jahren! Zubereitungen zur äußerlichen Anwendung: Der Gehalt an Senfölen sollte 2 % nicht überschreiten, da es sonst zu starken Hautreizungen kommen kann. Vereinzelt sind allergische Reaktionen auf Senföle bekannt geworden.

Wechselwirkungen: Wegen der aus den Glucosinolaten Isothiocyanaten kann nicht ausgeschlossen werden, dass die hormonelle Therapie einer Schilddrüsenunterfunktion beeinträchtigt wird bzw. eine latente Schilddrüsenunterfuntion manifest wird.

Anwendung

Der scharfe Geschmack und die auf die Schleimhäute reizende Wirkung geht auf den Gehalt an Senfölen zurück. Die flüchtigen Senföle entstehen aus ihren Vorstufen, den Glucosinolaten, durch enzymatischen Abbau bei Verarbeitung der Wurzel und wirken keimtötend gegen Bakterien. Wegen ihrer Reizwirkung auf die Schleimhäute kommt es örtlich zu einer vermehrten Durchblutung. Meerrettich enthält auch die Vitamine C und B1 sowie Enzyme und Flavonoide . Innerlich eingenommen wird der Meerrettich gegen Erkältungskrankheiten und zur unterstützenden Behandlung bei Infektionen der ableitenden Harnwege verwendet. Zubereitungen aus Meerrettich können äußerlich zur Behandlung von Muskelschmerzen eingesetzt werden, dabei darf der Gehalt an Senfölen 2% nicht überschreiten (s. Hinweis), da es sonst zu starken Hautreizungen kommen kann.

Verbreitet ist die Verwendung von Meerrettich zum Würzen von Saucen, Fleisch- und Fischgerichten. Da die lSenföle leicht flüchtig sind, sollte Meerrettich erst kurz vor dem Servieren den abgekühlten Speisen zugesetzt werden. Getrockneter Meerrettich muss vor Verwendung in lauwarmen Wasser eingeweicht werden, damit sich die Senföle bilden können.

Dosierung

Innerlich: Tagesdosis 20g frische, geriebene Wurzel.

Äußerlich: In Form von Salben oder Gelen mit einem Gehalt an Senfölen von max. 2%.

Zubereitungen: Meerrettich wird frisch gerieben oder getrocknet oder als Frischpflanzensaft verwendet. Im Handel erhältlich sind Kombinationspräparate gegen Erkältungs-krankheiten oder zur Behandlung von Muskel-schmerzen, die als Bestandteil Meerrettichextrakte enthalten sowie in Bleichlösungen zur Behandlung von Pigmentanomalien.

Melisse (Zitronenmelisse)

Pflanze: Melissa officinalis L.
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Die ursprünglich im östlichen Mittelmeergebiet und Westasien beheimatete Zitronenmelisse wird schon seit dem griechisch-römischen Altertum als Heilpflanze, aber auch als u201eBienenweideu201c verwendet. Die ausdauernde Pflanze wird bis zu 90 cm hoch, die Blätter riechen und schmecken vor der Blüte zitronenartig. Die gestielten, am Rand kerbig-gesägten Blätter sind am 4-kantigen Stängel gekreuzt gegenständig angeordnet. Die kleinen, blassen Lippenblüten sitzen in den Blattachseln. Verwechslungen mit der Zitronenkatzenminze können vorkommen. Medizinisch verwendet werden die Blätter und das daraus gewonnene ätherische Öl. Die Zitronenmelisse wird auch in der Küche zum Würzen von Süßspeisen und Getränken geschätzt.

Herkunft

Die Melisse ist im Balkan, Klein- und Westasien beheimatet. In Sachsen-Anhalt, Thüringen, Franken, Süddeutschland, Spanien, Südfrankreich und Osteuropa wird die Pflanze angebaut und importiert.

Hinweise

Die Anwendung insbesondere hoher Dosierungen kann die Reaktionsfähigkeit und damit die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen! Nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt bei Vorliegen von behandlungsdürftigen Schilddrüsenerkrankungen anwenden! Im Labor zeigten Melissenzubereitungen einen Einfluss auf Schilddrüsenhormone. Melisse zeichnet sich ansonsten durch eine sehr gute Verträglichkeit aus.

Anwendung

Lippenbläschen (Herpes simplex-Infektionen der Haut), Schlafstörungen, Unruhezustände, nervös bedingte Magen-Darmstörungen.

Verendet werden die vor der Blüte gesammelten und getrockneten Blätter. Die Droge enthält neben den typischen Lamiaceen-Gerbstoffen und Phenolsäuren (Rosmarinsäure), ein ätherisches Öl u.a. mit den Terpenaldhyden Citral und Citronellal, die für den zitronenartigen Geruch verantwortlich sind sowie glykosidisch gebundene flüchtige Substanzen.

Die Melisse wirkt krampflösend, beruhigend und antiviral. Sie wird daher alleine oder in Kombination mit anderen sedativ wirkenden Pflanzenauszügen bei nervös bedingten Einschlaf- sowie funktionellen Magen- und Darmstörungen eingesetzt. Da insbesondere bei höherer Dosierung nicht ausgeschlossen werden kann, dass durch die Einnahme die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt wird, sollte dies z.B. beim Führen von Kraftfahrzeugen berücksichtigt werden.

In der Aromatherapie wird Melissenöl ebenfalls bei Unruhezuständen und Schlaflosigkeit verwendet.

In Laborversuchen wurde eine Wirkung von Melissenextrakten auf die Schilddrüse festgestellt, so dass ein Einfluss auf eine Therapie mit Schilddrüsenhormonen nicht ausgeschlossen werden kann.

Äußerlich werden Zubereitungen aus Melissenblätter in Form von Salben zur Behandlung von Herpesinfektionen der Haut (Fieberbläschen) angewandt. Für den Therapieerfolg ist allerdings eine rechtzeitige, d.h. sofort nach Auftreten der ersten Symptome, Behandlung entscheidend. Prophylaktisch angewandt kann u.U. sogar ein Rezidiv verhindert werden.

Als Gewürz werden wegen des hohen Gehaltes an ätherischen Ölen vor allem frische Blätter verwendet.

Dosierung

Tee:1,5 bis 4,5 Teelöffel (1,5 u2013 4,5 g) werden mit ca. 150 ml siedendem Wasser übergossen, abgedeckt und nach 10 Minuten abgeseiht. Mehrmals täglich eine frisch bereitete Tasse Tee trinken.

Melissenöl: Innerlich 0,05 bis 0,2 ml oder als Aromatherapie.

Salbe: Drei bis vier mal täglich auf die betroffene Hautstelle auftragen.

Zubereitungen: Zitronenmelisse ist in vielen Fertigarzneimitteln gegen Schlafstörungen, Unruhezuständen sowie Magen- und Darmmitteln häufig mit weiteren Pflanzenauszügen enthalten.
erner gibt es Salben und Badezusätze mit Melissenauszügen oder Melissenöl. Melissenöl wird aus Kostengründen häufig ersetzt durch Citronellöl, dem indischen Melissenöl oder Lemongrasöl, das aus anderen Pflanzen gewonnen wird und ebenfalls zitronenartig duftet. Melisse ist auch ein Bestandteil von Melissengeist oder Karmelitergeist, die schon seit langem als Hausmittel für verschiedene Beschwerden Verwendung finden.

Petersilie

Pflanze: Petroselinum crispum
Familie: Doldengewächse (Apiaceae = Umbelliferae)

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Die zweijährige Pflanze bildet erst im zweiten Jahr Stängel und die kleinen, in Doppeldolden sitzenden Blüten aus. Von der Petersilie werden zwei Unterarten unterschieden, die Blattpetersilie (ssp. crispum) mit einer glatten oder krausen Blattform und die Wurzelpetersilie (ssp. tuberosum). Die kleinen, graubraunen Früchte sind ei- bis birnenförmig und haben 5 strohgelbe Rippen. Verwendet werden die Blätter, die Wurzel und die Früchte.

Herkunft

Die Heimat der Petersilie wird im Mittelmeergebiet vermutet.

Hinweise

Die Verwendung von Petersilienkraut oder -wurzel als Gewürz ist unbedenklich.

Für aus medizinischen Gründen verwendete Zubereitungen ist zu beachten:
Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit anwenden!

Nicht anwenden bei durch Herz- oder Nierenerkrankungen hervorgerufenen Ödemen! Diese Beschwerden bedürfen einer Behandlung durch den Arzt. Während der Behandlung ausreichend Flüssigkeit (keine koffeinhaltigen oder alkoholischen Getränke) zu sich nehmen!

Nicht in höherer Dosierung oder über längere Zeit anwenden ! Die wassertreibende Wirkung der Petersilie kommt vermutlich über eine nierenreizende Wirkung des ätherischen Öls zustande. In höherer Dosierung wurde eine verminderte Harnausscheidung, Nierenschäden und Rhythmusstörungen des Herzens beobachtet. Hohe Dosen können zu Leberschäden, Blutbildungsstörungen und Schäden im Magen-Darm-Trakt führen.

In seltenen Fällen sind allergische Hautreaktionen möglich. Eine Anwendung auf der Haut kann insbesondere bei hellhäutigen Personen in Verbindung mit Sonnenlicht Hautausschläge entstehen (phototoxische Reaktion).

Anwendung

Alle Pflanzenteilen enthalten ätherisches Öl, mit den Bestandteilen Myristicin, Apiol und Allyltetramethoxybenzol, Flavonoide und Cumarine. Die Früchte zudem noch fettes Öl mit Petroselinsäure als vorherrschende Fettsäure, die Wurzel wie viele Vertreter der Apiaceen Polyacetylene, das Kraut Vitamine und Mineralstoffe. Die verschiedenen Unterarten unterscheiden sich in der Zusammensetzung des ätherischen Öls ihrer Früchte: Die Blattpetersilie mit krausen Blättern enthält meist vorwiegend Myristicin, die Rasse mit glatten Blättern Myristicin und Apiol in etwa gleichen Anteilen und die Wurzelpetersilie überwiegend Apiol. Aufgrund des Gehalts an ätherischem Öl und Flavonoiden werden Zubereitungen aus der Wurzel oder dem Kraut zur Durchspülungstherapie der Nieren bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege und zur Vorbeugung und Behandlung von Nierengries verwendet. Petersilienfrüchte oder Petersilienfruchtöl sollten jedoch nicht angewandt werden, da aufgrund ihres hohen Gehalts an ätherischem Öl unerwünschte Wirkungen nicht ausgeschlossen werden können (s. Hinweise).

Petersilienkraut und -wurzel dienen vielfach zum Würzen von Speisen. Die dabei üblich verwendeten Mengen gelten als unbedenklich. Petersilienfruchtöl wird in der Lebensmittelindustrie zum Würzen und Aromatisierung von Fertiggerichten verwendet.

Dosierung

Tee: 2 g getrocknete Petersilienwurzel oder -kraut werden mit ca. 150 ml siedendem Wasser übergossen, abgedeckt 10 bis 15 Minuten stehen gelassen und abgeseiht. Zwei bis drei mal täglich eine Tasse frisch bereiteten Tee trinken.

Zubereitungen: Extrakte aus der Petersilienwurzel oder -kraut sind Bestandteil einiger Präparate aus der Gruppe der Urologika.

Pfefferminze

Pflanze: Mentha piperita L.
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Die Pfefferminze wird 50 cm bis 90 cm hoch, der meist kahle Stängel ist häufig violett unterlaufen und die Blätter duften beim Zerreiben charakteristisch nach Menthol. Die Pfefferminze ist ein Mischling aus verschiedenen Minzarten und besteht aus mehreren Unterarten. Pfefferminzöle werden vorwiegend aus in Japan und Brasilien kultivierter Mentha arvensis var. glabrata gewonnen.

Herkunft

Die Pfefferminze ist in Europa und Nordamerika weit verbreitet und meist kultiviert. Hauptimportländer sind Bayern und Thüringen. Weitere wichtige Länder für den Drogenimport sind derzeit Spanien, Griechenland und Bulgarien.

Hinweise

Personen mit Gallensteinerkrankungen sollten vor der Anwendung ihren Arzt befragen. Durch die Förderung der Gallensekretion können Koliken ausgelöst werden. Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sind keine Nebenwirkungen und Risiken bekannt.

Anwendung

Das Kraut der Pfefferminze enthält ätherisches Öl, mit dem Hauptbestandteil Menthol sowie Gerbstoffe und Flavonoide. Es hat eine krampflösende und blähungstreibende Wirkung und führt zu einer beträchtlichen Steigerung der Gallensekretion. Pfefferminztee eignet sich zur Behandlung von krampfartigen Beschwerden im Magen- und Darmbereich, Pfefferminzöl auch zur Behandlung von Kopfschmerzen und Erkältungskrankheiten. Umschläge mit Pfefferminztee haben einen kühlenden Effekt. Der Tee ist auch als erfrischendes Getränk beliebt.

Dosierung

Tee: Ein Esslöffel (ca. 1,5 g) Pfefferminzblätter werden mit ca. 150 ml siedendem Wasser übergossen, abgedeckt und nach 5 bis 10 Minuten abgeseiht. 3 bis 4 mal täglich eine Tasse frisch bereiteten Tee warm zwischen den Mahlzeiten trinken. Für medizinische Zwecke sollte nur Tee verwendet werden, der dem Arzneibuch entspricht.

Pfefferminzöl: äußerlich und innerlich nach Gebrauchsinformation.

Quecke, Gemeine

Pflanze: Agropyron repens L.
Familie: Gräser (Poaceae = Gramineae)

Diese zu den Gräsern gehörende, ausdauernde Pflanze wird 20 cm bis 150 cm hoch und bildet Ausläufer. Die Stängel sind aufrecht, die Ähren meist kurz. Medizinisch verwendet werden das im Frühjahr vor der Entwicklung der Halme oder im Herbst gesammelte und getrocknete Wurzelstock.

Herkunft

Das Unkraut ist auf der nördlichen Erdhälfte weit verbreitet und wurde in Australien, Grönland, Neuseeland und Südamerika eingeschleppt. Die Droge wird aus dem Balkan importiert.

Hinweise

Nicht anwenden bei Ödemen aufgrund eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit! Aufgrund fehlender Informationen sollte eine Behandlung mit Queckenwurzelstock während Schwangerschaft und Stillzeit nur auf Anraten des Arztes erfolgen.

Es ist nicht auszuschließen, dass eine Dauertherapie zu Kaliumverlusten führen kann. Hier ist besondere Vorsicht bei bestehenden Herzerkrankungen und Bluthockdruck geboten und vor Anwendung ein Arzt zu Rate zu ziehen.

Anwendung

Der Wurzelstock enthält vor allem wasserlösliche Polysaccharide (Triticin), Schleimstoffe, Zuckeralkohole (Mannit und Inosit) und lösliche Kieselsäure. Das in geringere Menge enthaltene ätherische Öl hat keimabtötende Wirkungen.

Zubereitungen aus dem Queckenwurzelstock werden vor allem zur Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und zur Vorbeugung von Nierengrieß verwendet. Aufgrund der Schleimstoffe kommen sie auch als Ergänzung der Behandlung leichterer entzündlicher Erkrankungen der oberen Atemwege zur Anwendung.

Dosierung

Tee: 2 bis 3 Teelöffel (ca. 5 bis 10 g) werden mit etwa 150 ml siedendem Wasser übergossen und nach 10 Minuten abgeseiht. Bis zu 4 mal täglich 1 Tasse frisch bereiteten Tee trinken. Die Teezubereitung kann auch durch Ansetzen mit kaltem Wasser und anschließendem Erhitzen zum Sieden zubereitet werden.

Zubereitungen: Queckenwurzel ist in wenigen Fertigarzneimitteln aus der Gruppe der Nieren- und Gallemittel enthalten.

Ringelblume

Pflanze: Calendula officinalis L.
Familie: Korbblütler (Asteraceae = Compositae)

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Die bis zu 50 cm hoch wachsende, meist einjährige Ringelblume mit einem aufrechten, oft reich verzweigtem Stängel. Jeder Stängel und Seitenast bildet ein 5 bis 7 cm großes Blütenköpfchen, das je nach genetischer Art gefüllt oder nicht gefüllt und von hellgelber bis dunkeloranger Farbe sein kann. Die Blätter sind alle filzig behaart. In vielen Gärten findet sie sich auch als Zierpflanze, da sie den ganzen Sommer hindurch blüht. Nach dem Pflücken riecht sie unangenehm. Medizinisch verwendet werden die nach dem völligen Öffnen der Blüten gesammelten, vom Blütenboden abgetrennten Zungenblüten gefüllter, orangefarbener Sorten.

Herkunft

Die Ringelblume ist in Mittel-, Süd- und Osteuropa beheimatet. In den USA und Westasien gedeiht die Droge mittlerweile auch.

Hinweise

Nicht verwendet werden sollten Ringelblumen bei einer Überempfindlichkeit gegenüber Korbblütlern!

Ringelblumen selbst können vor allem bei längerer äußerlicher Anwendung Allergien auslösen und zu Kontaktekzemen führen. Daher sollte die Anwendung unterbrochen werden, wenn keine Besserung eintritt.

Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sind bisher keine Nebenwirkungen bekannt.

Anwendung

Ringelblumenblüten enthalten Triterpensaponine, freie oder veresterte Triterpenalkohole, Carotinoide und Xanthophylle, Flavonoide, ätherisches Öl und wasserlösliche Polysaccharide. Auszüge aus Ringelblumenblüten wirken entzündungshemmend, antimikrobiell und fördern die Wundheilung. Sie werden in Form von Salben, Tinkturen oder Umschlägen zur äußerlichen Behandlung von entzündlichen Erkrankungen der Haut und Schleimhäute, schlecht heilender Wunden, Erfrierungen, leichten Verbrennungen und Quetschungen eingesetzt. Volksmedizinisch auch zur Behandlung von venösen Gefäßerkrankungen (Krampfadern). Damit entsprechen die Anwendungsgebiete weitgehend denen den der Arnikablüten.Vor allem bei langdauernder äußerlicher Anwendung können Kontaktekzeme ausgelöst werden.

Eine innerliche Anwendung wird nicht empfohlen. Ringelblumenblüten werden auch Teemischungen als Schönungsdroge zugesetzt, da die goldgelben Blüten das Aussehen des Tees verbessern.

Kosmetik: Weiterhin finden sich Extrakte in vielen kosmetischen Produkten zur Hautpflege.

Dosierung

Tee: 1 bis 2 Teelöffel (2 - 3 g) Ringelblumenblüten werden mit ca. 150 ml heißem Wasser übergossen und nach 10 Minuten abgeseiht.

Innerliche Anwendung: Heute nicht mehr gebräuchlich.

Äußerliche Anwendung: Bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum wird mit dem noch warmen Tee mehrmals täglich gegurgelt oder gespült. Zur Wundbehandlung wird mit dem Tee ein sauberes, fusselfreies Tuch oder eine sterile Kompresse getränkt und auf die Wunde gelegt. Die Umschläge mehrmals täglich wechseln.

Rosmarin

Pflanze: Rosmarinus officinalis L.
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Die im Mittelmeergebiet heimische Pflanze ist ein 50 bis 150 cm hoher, immergrüner Halbstrauch mit nadelförmigen Blättern und duftet aromatisch. Besonders die italienische und französische Küche schätzt den Rosmarin als Gewürz. Rosmarin besitzt auch einen konservierenden Einfluss auf fettes Fleisch.

Herkunft

Rosmarin ist im Mittelmeergebiet beheimatet und wir dort auch in vielen Ländern angebaut. Die Droge wird aus Marokko, Tuniesien, Spanien und Südosteuropa importiert.

Hinweise

Während der Schwangerschaft sollten keine Zubereitungen aus Rosmarinblättern wegen möglicher toxischer Wirkung des ätherischen Öls verwendet werden! Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sind keine Nebenwirkungen bekannt.

Anwendung

Rosmarinblätter enthalten viel ätherisches Öl, das reich an Kampfer ist, ferner Gerb- und Bitterstoffe. Innerlich eingenommen fördert es den Appetit und wirkt gegen Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und Völlegefühl. Äußerlich in Form von Bädern, Salben oder angewandt wird es zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Erkrankungen eingesetzt. Bäder mit Rosmarin haben eine kreislaufanregende Wirkung. Rosmarin dient auch zur Aromatisierung von Seifen, Parfüms, Schnupftabak und alkoholischen Getränken.

Dosierung

Tee: Ein knapper Teelöffel (ca. 1,5 g) fein geschnittene Rosmarinblätter werden mit ca. 150 ml heißem Wasser übergossen und nach 15 Minuten abgeseiht. 3 bis 4 mal täglich eine Tasse frisch bereiteten Tee warm zwischen den Mahlzeiten trinken.

Bäder: 50 g Droge werden mit 1 l Wasser kurz aufgekocht, 15 bis 30 Minuten bedeckt stehen gelassen und abgeseiht. Diese Menge wird einem Vollbad zugegeben.

Wein: 20 g Rosmarinblätter werden einem Liter Weinzugesetzt und unter gelegentlichem Schütteln 5 Tage stehengelassen.

Zubereitungen: Rosmarin ist Fertigarzneimitteln aus der Gruppe der Magen- und Darmmittel enthalten. Zubereitungen zur äußerlichen Anwendung wie Bäder, Salben, Einreibungen enthalten meist Rosmarinöl.

Rosmarinöl wird auch zur Aromatisierung kosmetischer Produkte und alkoholischen Getränken verwendet.

Salbei, Echter

Pflanze: Salvia officinalis
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Der Echte Salbei ist ein bis zu 60 cm hoch wachsender, ausdauernder, in den unteren Teilen verholzender Halbstrauch mit vielen, filzig behaarten Seitenästen. Die länglichen, gestielten Blätter sind unterseits weißfilzig behaart. Im Gegensatz zu dem als Verfälschung anzusehenden Griechischen Salbei (S. triloba) sind beim Echtem Salbei nur die jungen Blätter auch auf der Blattoberseite behaart. Die meist blauvioletten Blüten sind als 5- bis 10-blütige Scheinquirle angeordnet. Salbeiblätter werden frisch oder getrocknet als Gewürz für Fleischgerichte verwendet. Durch seine antioxidativen und antimikrobiellen Eigenschaften wirkt Salbei konservierend und beugt dem Ranzigwerden von Fetten vor. Zu medizinischen Zwecken werden ebenfalls die Blätter verwendet.

Herkunft

Der Salbei ist im Mittelmeergebiet, insbesondere im Adria-Raum beheimatet. Die Droge wird aus dem südosteuropäischen Raum importiert.

Hinweise

Das Thujon besitzt bei höherer Dosierung toxische Wirkungen. Daher sollte man Salbeitee oder Zubereitungen aus Salbei nicht in höheren Dosen oder über längere Zeiträume einnehmen.

Anwendung

Die angegebenen Wirkungen beruhen überwiegend auf Erfahrungswerten und sind meist nicht durch objektive Untersuchungen belegt! Der wertbestimmende Anteil der Pflanze ist das ätherische Öl mit den Hauptbestandteilen Thujon, Cineol und Campher, dessen Menge und Zusammensetzung allerdings sehr stark durch klimatische Bedingungen und Erntezeitpunkt beeinflusst werden. Ferner enthalten die Blätter sog. Labiatengerbstoffe wie Rosmarinsäure, diterpenoide Bitterstoffe wie Carnosolsäure, Flavonoide und Triterpene wie Ursolsäure. Das ätherische Öl des Griechischen Salbeis (S. triloba) besitzt dagegen nur einen geringen Thujonanteil und zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an Cineol aus. Seine medizinischen Wirkungen sind praktisch nicht untersucht.

Äußerliche Anwendung: Salbeitee oder Zubereitungen aus Salbei sind ein ausgezeichnetes Mittel gegen Entzündungen im Mund- und Rachenraum aller Art. Das ätherische Öl wirkt bei äußerlicher Anwendung wachstumshemmend auf Bakterien und Pilze sowie antiviral. Die entzündungshemmende Wirkung wird auf die Ursolsäure zurückgeführt. Salbei ist Bestandteil vieler Gurgellösungen, Tinkturen zum Pinseln des Zahnfleisches und auch Halsbonbons. Durch das Kauen der frischen Blätter bekämpft man Mundgeruch.

Innerliche Anwendung: Innerlich eingenommen helfen Salbeizubereitungen gegen Verdauungsbeschwerden und übermäßigem Schwitzen. Die in der Volksmedizin angegebenen Wirkungen wie z.B. Senkung des Blutzuckers, Hemmung der Milchsekretion und Erleichterung des Abstillens sind unbewiesen.

Dosierung

Das Thujon besitzt bei höherer Dosierung toxische Wirkungen (s. auch Wermut). Daher sollte man Salbeitee oder Zubereitungen aus Salbei nicht in höheren Dosen oder über längere Zeiträume einnehmen.

Sanddorn

Pflanze: Hippophaë rhamnoides L.
Familie: Ölweidengewächse (Elaeagnaceae)

Die in Europa und nördlichen Teilen Asiens vorkommende Pflanze ist ein sperriger, dorniger Strauch von 1,5 bis 4,5 m Höhe. Seine Früchte sind leuchtend orangerote, kugelförmige Scheinbeeren.

Herkunft

Die Pflanze ist in Europa und in Teilen Asiens beheimatet.

Hinweise

Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sind keine Nebenwirkungen oder Risiken bekannt.

Anwendung

Sanddornfrüchte sind reich an Vitamin C und E, enthalten aber auch Vitamine der B-Gruppe, Carotinoide, Flavonoide, fettiges Öl (Kerne), Fruchtsäuren und Zuckeralkohole. Verwendung finden Säfte oder Konzentrate vor allem als Lebensmittel. Wegen des hohen Gehaltes an Vitamin C werden Zubereitungen aus Sanddorn zur Stärkung der Abwehrkräfte und als Vorbeugung gegen Erkältungskrankheiten eingesetzt.

Dosierung

Tagesdosierung: 5 - 10 g eines Sanddornproduktes.

Zubereitungen: Sanddornzubereitungen kommen als Saft, Konzentrate oder Sirupe in den Handel. In der Lebensmittelindustrie wird er auch zur Herstellung von Getränken, Süßwaren und Aromen und zum Aromatisieren von Saucen, Obst- und Gemüsekonserven verwendet.

Schafgarbe

Pflanze: Achillea millefolium L.
Familie: Korbblütengewächse (Asteraceae = Compositae)

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Der Begriff Schafgarbe umfasst zahlreiche, äußerlich kaum zu unterscheidende Pflanzen, die botanisch die Achillea-millefolium-Gruppe bilden. Die Pflanzen werden bis zu 1,5 m hoch und besitzen mehrfach fiederschnittige Blätter. Die kleinen Blütenköpfchen aus weißen oder rosafarbenen Zungenblüten sitzen in Doldenrispen. Auch in der Zusammensetzung der gebildeten Inhaltsstoffe können sich die einzelnen Arten unterscheiden. So gibt es z. B. Sippen, die Proazulene bilden während dies bei anderen nicht der Fall ist. Medizinisch verwendet werden die Blüten oder das Kraut. Inhaltsstoffe und Anwendungsgebiete entsprechen weitgehend denen der Kamille.

Herkunft

Die Schafgarbe ist in Europa, Nordasien und Nordamerika beheimatet. Die Droge wächst wild und wird in Kulturen gezüchtet. Hauptlieferländer sind die südost- und osteuropäischen Länder. Teilweise auch Deutschland.

Hinweise

Nicht anwenden bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Korbblütlern (z.B. Arnika, Kamillenblüten oder Ringelblumen)!

Vor allem die äußerliche Anwendung kann bei bestimmten Personen zu allergischen Hautreaktionen (juckende, entzündliche Hautveränderungen, Bläschenbildung) führen.

Nicht ohne ärztlichen Rat während Schwangerschaft und Stillzeit anwenden ! Es gibt keine Untersuchungen, die die Unbedenklichkeit belegen und wegen der uneinheitlichen Zusammensetzung nur schwierig zu beurteilen.

Anwendung

Schafgarbenkraut und Blüten enthalten ein ätherisches Öl, dessen Gehalt und Zusammensetzung je nach Herkunft, Erntezeitpunkt und zugrunde liegender Arten variieren kann. Teilweise überwiegen Monoterpene, wie Campher und Cineol, teilweise Sesquiterpene, wie z.B. Guaianolide, zu denen die Proazulene wie z.B. das Achillicin gehören, aus denen sich bei der Destillation Chamazulen bildet (s. Kamille). Nach dem Arzneibuch muss die Droge einen Mindestgehalt von 0.02% Proazulene aufweisen. Ferner enthält das Kraut Bitterstoffe, im Tierversuch antitumoral wirkende Sesquiterpenoide (Achimillsäureester), Flavonoide,Cumarine, Phenolcarbonsäuren und Betaine.

Die Anwendungsgebiete entsprechen weitgehend denen der kamillenblüten. Die Wirkungen sind entzündungshemmend, krampflösend, antibakteriell und fördernd auf die Gallensekretion. Innerlich werden Schafgarbenzubereitungen bei Appetitlosigkeit und leichten, krampfartigen Beschwerden der Verdauungsorgane (Entzündungen, Durchfälle, Krämpfe) angewandt. Äußerlich in Form von Sitzbädern bei funktionellen Unterbauchbeschwerden der Frau und in Form von Umschlägen oder Spülungen bei entzündlichen Erkrankungen der Haut und Schleimhäute. In der Volksheilkunde werden Zubereitungen aus der Schafgarbe zur lokalen Blutstillung verwendet. Die Wirksamkeit ist jedoch nicht belegt.

Wie alle Korbblütler können vor allem bei äußerlicher Anwendung Allergien ausgelöst werden (siehe auch Hinweise).

Dosierung

Tee: 2 Teelöffel (2 - 4 g) Schafgarbenkraut mit ca. 150 ml heißem Wasser übergießen und 10 Minuten bedeckt ziehen lassen, dann abseihen. 3 bis 4 mal täglich eine Tasse frisch bereiteten Tee warm zwischen den Mahlzeiten trinken.

Tagesdosis: 4,5 g Schafgarbenkraut oder 3 g Schafgarbenblüten oder 3 Teelöffel Frischpflanzensaft oder 3 g Schafgarbenblüten.

Sitzbäder: 100 g Schafgarbenkraut werden mit 1-2 l heißem Wasser übergossen, 20 Minuten bedeckt ziehen gelassen und dann abgeseiht. Dieses Konzentrat gibt man zu 20 l Badewasser.

Zubereitungen: Die Schafgarbe ist Bestandteil zahlreicher Fertigarzneimittel aus der Gruppe der Magen-, Darm- und Gallemittel, aber auch aus anderen Anwendungsgebieten, z.B. Mittel gegen Frauenleiden, Wundbehandlungs- und Venenmittel. Verwendung finden auch Frischpflanzenpresssäfte.

Thymian, Echter

Name: Thymus vulgaris L.
Familie: Lippenblütengewächse (Lamiaceae = Labiatae)

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Der Echte Thymian ist ein bis zu 50 cm hoch wachsender Zwergstrauch mit verholzenden Zweigen, dessen aromatisch duftenden, kleinen Blätter häufig in der Küche als Gewürz verwendet werden. Die Blätter sind unterseits behaart mit eingerollten Rändern. Die kleinen, hellvioletten Blüten des Thymians stehen in Quirlen. Je nach Standort und Rasse der Pflanze gibt es verschiedene Typen, die sich in der Zusammensetzung ihres wertbestimmenden Anteils, dem ätherischen Öl, stark voneinander unterscheiden können. Weitere als Gewürz verwendete Arten sind z.B. der Zitronenthymian (T. x citriodorus), der Gemeine Thymian (T. pulegioides) und Sand-Thymian (Z. serpyllum). Medizinisch verwendet werden die von den Stängeln abgestreiften Blätter und Blüten des Echten Thymians und des Spanischen Thymians (Thymus zygis L.), wobei für die nach dem Arzneibuch geprüfte Ware ein Mindestgehalt von 1,2 % an ätherischem Öl und 0,5% an Phenolen berechnet als Thymol vorgeschrieben sind.

Herkunft

Die Pflanze ist in Mittel- und Südeuropa, in den Balkanländern und im Kaukasus beheimatet.

Hinweise

Heftige Erkältungskrankheiten und Husten bei Säuglingen und Kleinkindern bedürfen immer der ärztlichen Behandlung!

Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegenüber Lippenblütengewächsen! Personen mit bekannter Birkenpollen oder Sellerieallergie sollten ebenfalls Thymianzubereitungen meiden.

Bei länger als einer Woche andauernder oder immer wieder auftretenden Beschwerden sollte ein Arzt aufgesucht werden!

Schwangerschaft und Stillzeit:
Da die Sicherheit und Unbedenklichkeit von Thymianzubereitungen während Schwangerschaft und Stillzeit noch nicht untersucht sind, sollten solche Präparate nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Anwendung

Katarrhe der oberen Atemwege, Husten, Bronchitis, Keuchhusten, Reizhusten, Mundschleimhautentzündung, Mundgeruch
äußerlich: In Form von Bädern bei juckenden Hauterkrankungen.

Die Wirksamkeit von Thymianzubereitungen bei Atemwegserkrankungen wie Husten, Bronchitis und Erkältungskrankheiten der oberen Atemwege begründet sich hauptsächlich auf Erfahrungswerte. Diese werden gestützt durch Untersuchungen im Laborversuch. Extrakte aus dem Thymiankraut haben sich dabei als schleimlösend, Förderung des Abhustens zähen Schleims und als krampflösend erwiesen, wobei nicht klar ist, welchem einzelnen Inhaltsstoff die jeweilige Wirkung zuzuordnen ist. Wegen der krampflösenden Wirkung können Thymianpräparate auch bei Reizhusten und Keuchhusten zur Linderung der Hustenanfälle eingesetzt werden.

Der Hauptbestandteil des ätherischen Öls ist das Phenol Thymol, für das eine wachstumshemmende Wirkung auf Pilze, Bakterien und Viren beschrieben ist. Das ätherische Öl besitzt auch eine gute antioxidative Wirkung.
Ä ußerlich angewandt wird es in Form von Gurgellösungen als Mittel gegen Entzündungen des Rachens und der Mundschleimhaut. Die früher volksmedizinische Verwendung des Thymianöls als Wurmmittel ist wegen der bei der dann erforderlichen Dosierung auftretenden Toxizität heute überholt.

Dosierung

Tee: Ein Teelöfel getrocknetes Thymiankraut (etwa 1,4 g) wird mit ca. 150 ml kochendem Wasser übergossen, abgedeckt und nach 10 Minuten abgeseiht. Mehrmals täglich eine Tasse frisch bereiteten Tee trinken.

Fluidextrakt: Zwei- bis drei mal täglich 0,6 bis 4 ml

Bäder: Für ein Vollbad 500 g Thymiankraut in 4 l Wasser aufkochen, abseihen und dem Badewasser zusetzen.

Zubereitungen: Thymiankraut ist als Tee, Bestandteil in Teemischungen und vielen Fertigarzneimittel gegen Husten enthalten, aber auch in Mundwässern und in Zubereitungen zur Behandlung von Entzündungen der Mundschleimhaut.

Tollkirsche

Giftpflanze!
Pflanze: Atropa belladonna L.
Familie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)

Die Tollkirsche ist in Europa und Kleinasien beheimatet und aufgrund ihrer in allen Pflanzenteilen vorkommenden Alkaloiden sehr giftig. Bereits geringe Mengen können tödlich sein. Die ausdauernde, krautige Pflanze wird 1 bis 2 m hoch und blüht zwischen Juni und August. Die einzeln hängenden Blüten haben eine glockig-röhrige Form und sind außen violett gefärbt.

Leicht zu erkennen ist die Frucht, die anfänglich grün, später glänzend schwarz wird, Kirschgröße erreicht und auf sternenförmig angeordneten Kelchblättern sitzt. Da es immer wieder vor allem bei Kindern zu Vergiftungen kommt, wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit empfohlen, giftige Pflanzen nicht in Anlagen wachsen zu lassen, die Kindern leicht zugänglich sind.

Herkunft

Die Heimat der Giftpflanze ist West-, Mittel- und Südeuropa, der Balkan, der Iran, Nordafrika, Kleinasien, Dänemark, Schweden und Irland.

Hinweise

Die therapeutische Breite der Tropanalkaloide ist gering, alle Pflanzenteile sind sehr giftig! Vor allem kleine Kinder sind versucht, die kirschenähnlichen Beeren zu probieren. Da bereits kleine Mengen der Pflanze tödlich sein können, wenden Sie sich auch in Verdachtsfällen an den Giftnotruf.

Die Vergiftungserscheinungen äußern sich zunächst in Hautrötung, Pupillenerweiterung, Beschleunigung des Herzschlags, Wärmestau, Beschwerden beim Wasserlassen und Obstipation. Bei höheren Mengen kommt es zu zentraler Erregung (Unruhe, Tobsuchtsanfälle), später zu Erschöpfung und Schlaf und schließlich Atemlähmung.

Anwendung

Alle Pflanzenteile enthalten Tropanalkaloide, u. a. Atropin, Hyoscyamin und Scopolamin, die die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs Acetylcholin aufheben (Parasympatholytika) und zusätzlich auf das Zentralnervensystem wirken. Dabei unterscheiden sich die Wirkungen der einzelnen Alkaloide und ihre therapeutische Breite, so dass heute überwiegend die Einzelsubstanzen als standardisierte Fertigarzneimittel (z. B. Scopolamin gegen Übelkeit und Erbrechen, Atropin zur Pupillenerweiterung bei augenärztlichen Untersuchungen, als Antidot gegen Vergiftungen mit Insektiziden, zur Narkosevorbeitung) eingesetzt werden.

Die Pflanze und alle ihre Zubereitungen sind verschreibungspflichtig und nicht für die Selbstmedikation geeignet! (s. Hinweise).

Anwendung in der Homöopathie: Zur Behandlung hoch fieberhafter Erkrankungen.

Dosierung

Nach Vorschrift des Arztes!

Zubereitungen: Verschiedene verschreibungspflichtige Fertigarzneimittel.

Wacholder

Pflanze: Juniperus communis L.
Familie: Zypressengewächse (Cupressaceae)

Der Wacholder ist ein Baum oder Strauch von bis zu 10 m Höhe. Die immergrünen Blätter sind nadelförmig. Die Scheinbeeren benötigen für die Reife 2 - 3 Jahre, so dass sich an dem Baum reife (dunkelblaue) und unreife (grüne) Früchte gleichzeitig finden. Das Holz enthält ein würziges Öl und wird zum Räuchern von Fleischwaren verwendet.

Herkunft

Der Wacholder ist in Nordasien und Nordamerika beheimatet. In Deutschland und Österreich ist die Pflanze teilweise geschützt. Die Droge wird aus Italien, Kroatien und Albanien importiert.

Hinweise

Nicht während der Schwangerschaft anwenden! Nicht anwenden bei entzündlichen Erkrankungen der Nieren! Nicht länger als 4 Wochen anwenden! Eine Überdosierung oder längere Anwendung kann zu Nierenschäden führen! Dies äußert kann sich in Schmerzen in der Nierengegend, erhöhtem Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen und Ausscheiden von Eiweiß und Blut mit dem Urin äußern. Ein Veilchengeruch des Harns deutet auf eine Überdosierung hin.

Anwendung

Wacholderbeeren enthalten u. a. ätherisches Öl, Gerbstoffe und Invertzucker. Sie wirken gegen Verdauungsbeschwerden, Völlegefühl und Blähungen. Daher verwendet man Wacholderbeeren gerne auch zum Würzen von schwer verdaulichen Speisen.

Allgemein bekannt ist auch eine wassertreibende Wirkung. Da dieser Effekt jedoch durch eine Reizung der Nieren zustande kommt, wird die Anwendung zum Ausschwemmen von Körperwasser jedoch nicht empfohlen (s. Hinweise).

Wacholderbeerenextrakte sind z. T. auch Bestandteil von Bädern gegen rheumatische Erkrankungen.

Wacholderbeeren spielen auch eine Rolle in der Likör- und Schnapsherstellung (z. B. Gin).

Dosierung

Tee: 1 Teelöffel (etwa 2 g) Wacholderbeeren werden zerquetscht, mit ca. 150 ml heißem Wasser übergossen und nach 10 Minuten abgeseiht. 3 bis 4 mal täglich eine Tasse Tee trinken.

Tagesdosis: 2 g bis maximal 10 g der getrockneten Wacholderbeeren oder entsprechend 20 mg bis 100 mg des ätherischen Öls.

Anwendungsdauer: Nicht länger als 4 Wochen anwenden.

Zubereitungen: Wacholderbeeren sind in einigen Blasen- und Nierentees meist in Kombination mit anderen Arzneipflanzen enthalten. Wacholderbeeren dienen zur Schnapsherstellung, z. B. Gin.

Zimtbaum, Echter

Pflanze: Cinnamomum verum J.S.Presl
Familie: Lorbeergewächse (Lauraceae)

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Der Echte Zimtbaum, auch Ceylon-Zimtbaum genannt, ist ein 6 bis 12 m hoher, immergrüner Baum mit bis zu 20 cm langen Blättern. Beim Zerreiben riechen die Blätter nelkenartig. Die kleinen, unscheinbaren Blüten sind in Rispen angeordnet, die Frucht ist beerenartig und wird vom Unterkelch bis zur Hälfte eingeschlossen. Verwendet werden die Zimtrinde, das ist die vom äußerem Kork und Außenrinde befreite, getrocknete Rinde dünner Zweige und das daraus gewonnene Zimtöl. Je nach Dicke der Rinde und Art der Bearbeitung werden verschiedene Handelssorten unterschieden. In der Lebensmittelindustrie werden auch Zimtrinden anderer Arten verwendet (C. aromaticum = Chinesischer Zimt = Kassia-Zimt, C. burmanii = Padang-Zimt und C. loureirii = Saigon-Zimt).

Herkunft

Beheimatet ist der Zimt in Süd- und Südostasien. Der Hauptimport der Droge kommt aus Sri Lanka. Teilimporte kommen aus Malaysia, Madagaskar und den Seychellen.

Hinweise

Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit anwenden! Zimtaldehyd erwies sich im Tierversuch als teratogen. Schwangere sollten daher zimtreiche Süßspeisen (Milchreis mit Zimt und Zucker, Weihnachtsgebäck, Kaugummis) nur gelegentlich zu sich nehmen. Die Verwendung von Zimtrinde in Mengen, die als Gewürz üblich sind, ist aber unbedenklich.

Zubereitungen und Süßspeisen mit Kassia-Zimt nur gelegentlich und nicht in zu großen Mengen verzehren! Ein gesundheitliches Risiko besteht insbesondere für Kleinkinder.

Kassia-Zimt enthält größere Mengen an Cumarin, das Leberschäden hervorrufen kann. Im Handel erhältliche zimthaltige Süßwaren und Zimtpulver bestehen häufig aus Kassia-Zimt ohne dass dies deklariert werden muss.

Anwendung

Krampartige Verdauungsbeschwerden, Appetitsteigerung, Diabetes mellitus Typ 2.

Die Zimtrinde enthält ein als Zimtöl bezeichnetes ätherisches Öl mit Zimtaldehyd als wertbestimmenden Anteil sowie Eugenol, Phenolcarbonsäuren, Gerb- und Schleimstoffe und insekticid wirkende Diterpene. Zimtöl wirkt hemmend auf das Wachstum von Bakterien und Pilzen, innerlich eingenommen wirkt es appetitanregend und motilitätsfördernd, d.h. es beschleunigt die Magen-Darm-Passage. Daher werden Zubereitungen aus der Zimtrinde bei leichten, krampfartigen Verdauungsbeschwerden mit Blähungen, bei Völlegefühl und zur Anregung des Appetits verwendet. In Arzneizubereitungen wird Zimt weniger als Wirkstoff, sondern meist zur Verbesserung des Geschmacks verwendet.

In einigen Untersuchungen konnte für Zimt ein blutzucker- und cholesterolsenkender Effekt gefunden werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann eine Anwendung jedoch nicht empfohlen werden, da die richtige Dosierung und die Sicherheit einer langdauernden Einnahme noch unbekannt sind (s. Hinweis).

Gebräuchlich ist auch die Verwendung als Gewürz in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, als Zusatz zu Kaugummis sowie Zahnpasten, Mundwässern, Parfums und Seifen.

Im Gegensatz zum Ceylon-Zimt enthalten die Zimtrinden anderer Arten, insbesondere jedoch der Kassia-Zimt beträchtliche Mengen Cumarin, das Leberschäden hervorrufen kann. Da aus Kostengründen für industriell hergestellte, zimthaltige Süßwaren häufig der billigere Kassia-Zimt Verwendung findet, besteht ein gesundheitliches Risiko insbesondere für Kleinkinder. Auch die als Nahrungsergänzungsmittel erhältlichen Zimtpräparate können stark mit Cumarin belastet sein (s. Hinweis).

Dosierung

Tee: Ein Teelöffel (etwa 0.5 bis 1g) getrocknete und zerkleinerte Zimtrinde wird mit ca. 150 ml heißem Wasser übergossen, zugedeckt 10 bis 15 Minuten stehen gelassen und abgeseiht. 2 bis 4 mal täglich zur Appetitanregung eine halbe Stunde vor, bei Verdauungsbeschwerden nach dem Essen eine Tasse frisch bereiteten Tee trinken. Die Teebereitung ist nicht sehr gebräuchlich. Zimtöl ist wasserdampfflüchtig, daher sollte der Zimt nicht gekocht werden und beim Ziehen zugedeckt werden, um eine ausreichende Ausbeute zu erhalten.

Zimtöl: Tagesdosis 0.05 bis 0.2 g ätherisches Öl, Zubereitungen entsprechend.

Zubereitungen: Zimtrinde bzw. u2013öl wird vor allem zur Aromatisierung von Lebensmitteln (Getränke, Glühwein, Backwaren, Kaugummi) und als Zusatz zu Kosmetika verwendet. Die Echte Zimtrinde ist auch in einigen Fertigarzneimitteln und Teemischungen zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden enthalten.

Zwiebel

Pflanze: Allium cepa L.
Familie: Lauchgewächse (Alliaceae)

Heilpflanzen und Kräuter in der Medizin

Die ausnahmslos in Kulturen angebaute Zwiebel kommt in verschiedenen Sorten vor und ist eine ausdauernde oder zweijährige, 60 bis 120 cm hoch wachsende Pflanze. Sie bildet einen blütentragenden Schaft, der länger als die röhrenförmigen Blätter sind. Die weißen oder hellvioletten Blüten stehen mit oder ohne Brutzwiebeln in einer kugeligen Scheindolde. Die trockenen äußeren Häute der Zwiebelsorten unterscheiden sich in ihrer Farbe und können weiß, bräunlich-gelb oder rot sein. Verwendet werden die frischen oder getrockneten, dick und fleischig gewordenen Blattscheiden und u2013ansätze und dienen als Nahrungsmittel, Gemüse und Gewürz.

Herkunft

Ursprünglich stammt die Zwiebel aus Mittelasien, mittlerweile wird sie weltweit angebaut.

Hinweise

Die Zwiebel wird weltweit als Gemüse oder Gewürz geschätzt, somit ist die Verträglichkeit gut dokumentiert. Rohe Zwiebeln können bei empfindlichen Personen Magen-unverträglichkeiten oder Sodbrennen bewirken. Bei Neigung zu Magenbeschwerden sowie bei Magen- oder Darmgeschwüren sollten daher keine rohen Zwiebeln gegessen werden. Gekochte oder gebratene Zwiebeln können zu Blähungen führen. In einzelnen Fällen sind allergische Reaktionen bekannt.

Vor allem in frischen Zwiebeln wurde Diphenylamin gefunden, das nach langdauernder Anwendung im Tierversuch zur Zystenbildung der Niere führte. Inwieweit diese Substanz genuin in der Pflanze vorkommt oder einen Rückstand aus Pestizidbehandlungen darstellt, ist nicht bekannt. Beim Menschen wurde bisher noch keine solchen Nierenveränderung nach langdauerndem Zwiebelkonsum beobachtet. Trotzdem wird empfohlen, bei Anwendung über längere Zeit, nicht mehr als 100g pro Tag einzunehmen.

Anwendung

Vorbeugend für alterbedingte Gefässerkrankungen, Appetitlosigkeit, Husten und Bronchitits, Insektenstiche (äußerlich), Blutergüsse (äußerlich), Osteoporose.

Die Zwiebel enthält ähnlich wie die anderen Allium-Arten Knoblauch und Bärlauch schwefelhaltige Verbindungen, die beim Zerkleinern der Zwiebel enzymatisch zersetzt werden. Bei der Zwiebel entstehen u.a. Propanthial-S-Oxide, die den u201eTränenfaktoru201c ausmachen. Es werden ähnliche Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, wenn auch in schwächeren Ausmaß vermutet, wie sie beim Knoblauch beobachtet wurden (s.a. Knoblauch).So wurden antimikrobielle, Blutfettwerte senkende, blutgerinnungshemmende und Blutzucker senkende Eigenschaften beobachtet. In einigen epidemiologischen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass sich eine zwiebelreiche Ernährung ähnlich wie Knoblauch das Risiko an bestimmten Krebsarten zu erkranken, senkt.

Die Zwiebel besitzt jedoch ein größeres Spektrum an Sekundärstoffen als der Knoblauch, die u.a. auch für die je nach Zubereitungsart unterschiedliche Geschmacksrichtungen verantwortlich sind. Geröstete Zwiebeln schmecken süßlich, getrocknetes Zwiebelpulver knoblauchähnlich, gekochte Zwiebeln liegen geschmacklich dazwischen. Vor allem gelbschalige Sorten sehr reich an dem Flavoid Quercetin, dem starke antioxidative Eigenschaften zugeschrieben werden. Weiterhin enthalten Zwiebeln Kohlehydrate.

Der Saft frischer Zwiebeln ist ein altes Hausmittel gegen Erkältungskrankheiten und Husten. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich durch fermentierten Zwiebelsaft eine allergisch bedingte Reaktionen der Atemwege (Asthma) bessern lässt.

nwieweit diese Beobachtung therapeutisch nutzbar ist, steht noch offen. Ebenso wurde im Tierversuch eine Wirkung gegen Osteoporose gefunden, was aber ebenfalls noch weiterer Abklärung bedarf. Frischer Zwiebelsaft soll, auf die Haut aufgetragen, bei Insektenstichen helfen.

Dosierung

Für eine therapeutische Anwendung wird empfohlen, Zwiebeln roh und zerkleinert einzunehmen.

Tagesdosis frische Zwiebel: 50 g
Tagesdosis getrocknete Zwiebel: 20 g

Zwiebelsirup: 500g zerkleinerte Zwiebeln werden mit einem halben Liter Wasser, 100 g Honig und 350 g Zucker zu einem Sirup gekocht. 4 bis 5 Esslöffel täglich einnehmen.

Äußerlich: Insektenstiche mit Zwiebelsaft einreiben.

Zubereitungen: Im Handel sind homöopathische Zubereitungen und Salben zur Narbebehandlung erhältlich sowie einige Präparate zur Vorbeugung altersbedingter Gefäßerkrankungen.